• vom 30.11.2011, 17:00 Uhr

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Update: 30.11.2011, 17:17 Uhr
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Beunruhigender Geist, "nichtsnütziges Glied"


Von Petra Rathmanner

Heinrich von Kleist, im Bild ein Porträt von Max Slevogt aus 1911.

Heinrich von Kleist, im Bild ein Porträt von Max Slevogt aus 1911. Heinrich von Kleist, im Bild ein Porträt von Max Slevogt aus 1911.

Vor 200 Jahren hat sich Heinrich von Kleist erschossen. Er war zu diesem Zeitpunkt finanziell ruiniert, als Autor weitgehend erfolglos und glücklos bei den Frauen. Die meiste Zeit seines Lebens irrte er rastlos umher, stürzte sich in immer absurdere Unternehmen. Doch was immer der stotternde Grübler anpackte, schien ihm zu missglücken. Selbst seine Familie bescheinigte ihm, er sei ein "nichtsnütziges Glied".

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Nichts deutete an jenem 21. November 1811 darauf hin, dass hier jemand aus dem Leben schied, der bald als einer der berühmtesten Dichter deutscher Sprache gelten würde und dessen Werk vieles von dem vorweg nehmen würde, was das 21. Jahrhundert noch beschäftigte.

Das Österreichische Theatermuseum am Lobkowitzplatz widmet dem Dichter nun eine überaus sehenswerte Ausstellung, die noch bis 9. April 2012 läuft. Das Jubiläum war in diesem Jahr auch Anlass für einige Neuerscheinungen - der Präsident der Kleist-Gesellschaft, Günter Blamberger, rückt in seiner Biographie mit dem Titel "Heinrich von Kleist" das Werk ins Zentrum, während der Theaterkritiker Peter Michalzik sich in "Kleist: Dichter, Krieger, Seelensucher" auf die Lebensstationen des Dichters konzentriert.

Brüche und Lebenslinien
Vergleichbar mit Michalziks Ansatz thematisiert auch die Schau im Theatermuseum Kleists oftmals überraschende Entscheidungen und versucht, Lebenslinien sichtbar zu machen. Im Foyer wird auf einer Landkarte seine intensive Reisetätigkeit nachgezeichnet - Würzburg, Paris, Koblenz, Weimar sind nur einige Stationen des Rastlosen, der zumeist keinen fixen Wohnsitz hatte. Dabei stammt Kleist aus einem berühmten Adelsgeschlecht und hatte grundsätzlich Zugang zu den Schalthebeln der preußischen Monarchie, in der einige seiner Freunde Karriere machten. Einblicke in die familiären Bande gewährt eine Computer-Installation via Touchscreen.

Kampfzone der Geschlechter
Kleist landet schließlich in Königsberg, will dort Staatsbeamter werden. Das Unternehmen der bürgerlichen Laufbahn scheitert. Daraufhin gründet er mehrere Zeitschriften, den "Phöbus" in Dresden, ein anspruchsvolles Magazin, das rasch eingeht, die "Berliner Abendblätter", eine der ersten modernen Tageszeitungen, die bald keine Leser mehr findet. Beide Projekte dokumentiert das Theatermuseum ausführlich.

Zu den beeindruckendsten Exponaten der Schau gehört gewiss eine Seite aus dem "Zerbrochenen Krug", eines der wenigen überlieferten Originalmanuskripte des Dichters; sowie Handschriften aus Wiener und Frankfurter Beständen und Originalausgaben.

Man muss nicht alle Exzesse befürworten, die Kleist etwa als glühender Nationalist oder Befürworter von gewalttätigen Auseinandersetzungen beschworen hat, um sich an seinen literarischen Schriften zu erfreuen - die unübersichtliche Staatsmacht in "Michael Kohlhaas", die nationale Kriegsmaschinerie in "Die Hermannsschlacht" oder die unergründlichen Liebesverwirrungen der "Marquise von O". Die fragilen Geschlechtsidentitäten in "Penthesilea", seiner Bearbeitung des griechischen Amazonenmythos, haben auch in der gegenwärtigen Kampfzone der Geschlechter noch Aussagekraft und das wohl berühmteste deutschsprachige Lustspiel, "Der zerbrochene Krug", stellt das Rechtsempfinden noch immer schlüssig auf den Prüfstand.

Kleist ist beunruhigend und er erstaunt - bis heute.

Ausstellung

Heinrich von Kleist

1777 - 1811

Österreichisches Theatermuseum

1., Palais Lobkowitz

bis 9. April 2012




Schlagwörter

Kleist, Literatur, Theater

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-11-30 17:05:07
Letzte Änderung am 2011-11-30 17:17:47


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