• vom 16.12.2011, 14:08 Uhr

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Update: 16.12.2011, 14:18 Uhr
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Man tut der "Österreichischen Gesellschaft für Literatur" Unrecht, wenn man nur von ihrer ruhmreichen Vergangenheit spricht. Obwohl: Da gibt es nach 50 Jahren viel zu erzählen.

Im Dienst der Dichtung


Von Werner Schuster

Wolfgang Kraus (links) und Heimito von Doderer im Gespräch.

Wolfgang Kraus (links) und Heimito von Doderer im Gespräch.Foto: ÖGFL Wolfgang Kraus (links) und Heimito von Doderer im Gespräch.Foto: ÖGFL

Die "Österreichische Gesellschaft für Literatur" (ÖGFL) begeht im Dezember ihr 50-Jahr-Jubiläum. Bei einer Feier im November erinnerte man sich gemeinsam an die gute alte Zeit und vergaß beinahe, dass man eigentlich immer ein Salon für Gegenwartsliteratur gewesen ist.

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Im November und Dezember wurden zwar ein Symposium zu den Werken von Kleist, Kafka und Freud und "Literatur.Geschichte" veranstaltet, aber es gab und gibt dort unter anderen auch ein Programm zum "Writers in Prison-Day", die Reihe "Neue österreichische Literatur", "Europa-Literatur" mit Georgi Grozdev, ein Verlagsporträt der Literaturedition Niederösterreich, "Literatur und Musik" mit Texten von Marianne Fritz und eine "Lese.Auslese" von Neuerscheinungen.

Ganz neu, d.h. nicht einmal noch publiziert, waren am 18. Dezember 1961 "Die Merowinger", aus denen Heimito von Doderer zur Eröffnung der Gesellschaft vorlas. Die 22-jährige Erika Pluhar sprach Stimmdokumente von Ebner-Eschenbach, Saar und Hofmannsthal nach, weil die originalen Tondokumente nicht zu verstehen waren.

Information

Österreichische Gesellschaft für Literatur, 1010 Wien,
Herrengasse 5, Tel.: 01/533 81 59
Website

"Nur einige Punkte"
Der Gründer und Leiter der Gesellschaft, Wolfgang Kraus, stellte dann das Programm vor. Dies beinhaltete:

- Diskussionen, Lesungen und Vorträge "unter Mitwirkung österreichischer und ausländischer Persönlichkeiten".

- Im Ausland lebende österreichische Autoren werden mit dem literarischen Leben ihres Vaterlandes wieder in Kontakt gebracht. (Schon bald wurden etwa Erich Fried, Manès Sperber, Elias Canetti und Max Brod nach Wien eingeladen.)

- Kontaktaufnahme mit Autoren aus dem Bereich der ehemaligen Donaumonarchie.

- Die Gesellschaft regt im Unterrichtsministerium an, vier österreichischen Autoren der jüngeren und mittleren Generation (das waren Gerhard Fritsch, Fritz Habeck, Hans Lebert und Herbert Zand) die Gestaltung bereits bestehender Romanprojekte zu ermöglichen.

- In engem Kontakt mit der Universität und den Schulen wird "der Versuch gemacht, das Interesse an Literatur, am literarischen Leben überhaupt, zu stimulieren". (Dafür wurde etwa das "Forum der Jugend" ins Leben gerufen.)

- Anregung von Dissertationen über österreichische Autoren der Vergangenheit.

- Auf Vorschlag der ÖGFL wird die Verleihung der Förderungspreise für Literatur auf die Zeit vor der Buchwoche vorverlegt ("sodass die Preise noch im Herbstverkauf wirksam werden können").

- Als Orientierung über Gegenwart und Vergangenheit der österreichischen Literatur werden mit 500 Gratisabonnements die österreichische Literaturzeitschrift "Wort in der Zeit" an ausländische Kritiker, Germanisten und Autoren versandt.

- Österreichischen Autoren werden Lesungen und Studienaufenthalte im Ausland ermöglicht.

- Es werden Kontakte mit ausländischen Zeitungen geknüpft, um mit österreichischen Autoren in Kontakt zu treten.

- Ausländische Universitäten, Wissenschafter, Kritiker und Autoren, die über österreichische Themen arbeiten, werden aus einer dafür gewährten Subvention des Ministeriums mit der notwendigen Literatur versorgt.

"Meine Damen und Herren, dies nur einige Punkte", schloss Wolfgang Kraus (1924-1998) seine Eröffnungsrede. Der damalige Unterrichtsminister Heinrich Drimmel hatte den umtriebigen österreichischen Literaturkritiker, Essayisten, Sachbuch-Autor und Moderator mit der Gründung der ÖGFL beauftragt.

Vornehme Räume
Für den Journalisten und Autor Hans Haider, Sekretär der Gesellschaft von 1971 bis 1974, wurde damit "eine neue Qualität von Öffentlichkeit gesichert: Die literarische Familie, der man sich auch als Leser zugehörig fühlen darf, wusste sich erstmals in Wien an eine kontinuierlich programmierte Adresse eingeladen". Diese befand und befindet sich in, so die Arbeiter-Zeitung 1961, "vornehm ausgestatteten Räumen" im Barockpalais Wilczek in der Herrengasse 5 nahe dem Michaelerplatz.

Haider weiß auch zu veranschaulichen, in welchem kulturpolitischen Rahmen dies geschah: "Der Literatur-Unterricht in den Höheren Schulen versandete zumeist auf der Ebene von Ebner-Eschenbach, Wildgans, Max Mell. Neue Texte durften im Deutschunterricht nicht verteilt werden." Zur selben Zeit aber versorgten sich Schüler und Studenten, so Haider, längst mit Taschenbüchern, Kellerbühnen spielten Jarry und Ionesco, in Graz wurde das "Forum Stadtpark" gegründet, bald erschien die Literaturzeitschrift "manuskripte".

Öffentlich bekannt wurde die ÖGFL vor allem durch ihre Lesungen und Podiumsdiskussionen, und man darf eigentlich gar nicht anfangen mit einer Auflistung, weil einfach alle da waren: Peter Handke überfüllte das Palais Pallfy, Theodor W. Adorno gleich den Redoutensaal in der Hofburg, in der ÖGFL selbst lasen etwa - um bei einem Buchstaben zu bleiben - Aichinger, Améry, Andersch, Artmann und Auden. Oder Goldstücker, Gomringer, Grass, Green (Julien), Gütersloh. Oder Ransmayr, Reich-Ranicki, Robbe-Grillet, Rosei, Roth, Rühm. Usw. usf.

Theodor W. Adorno trug 1964 im Redoutensaal vor.

Theodor W. Adorno trug 1964 im Redoutensaal vor.Foto: ÖGFL Theodor W. Adorno trug 1964 im Redoutensaal vor.Foto: ÖGFL




Schlagwörter

Extra, Österreich, Literatur

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-12-16 14:14:07
Letzte Änderung am 2011-12-16 14:18:20


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