• vom 03.01.2012, 14:38 Uhr

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Update: 04.01.2012, 12:03 Uhr
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Der britische Historiker Ian Kershaw über sein neues Buch und das Ende des Dritten Reichs

"Sie kämpften bis zum Schluss"


Von Katharina Schmidt

  • Terror und Angst vor den Sowjets als Antriebsmotor für Unterstützung Hitlers.

"Wiener Zeitung":

Der Untergang im Bild. Ein Soldat hisst 1945 die Sowjet-Flagge auf dem Berliner Reichstag, dahinter liegt die "Reichshauptstadt" in Trümmern. Dies geschah schon in der Nacht des 30. April, dabei war kein Fotograf anwesend, daher zeigt das bekannte Foto eine nachgestellte Szene Anfang Mai.

Der Untergang im Bild. Ein Soldat hisst 1945 die Sowjet-Flagge auf dem Berliner Reichstag, dahinter liegt die "Reichshauptstadt" in Trümmern. Dies geschah schon in der Nacht des 30. April, dabei war kein Fotograf anwesend, daher zeigt das bekannte Foto eine nachgestellte Szene Anfang Mai.© dpa Der Untergang im Bild. Ein Soldat hisst 1945 die Sowjet-Flagge auf dem Berliner Reichstag, dahinter liegt die "Reichshauptstadt" in Trümmern. Dies geschah schon in der Nacht des 30. April, dabei war kein Fotograf anwesend, daher zeigt das bekannte Foto eine nachgestellte Szene Anfang Mai.© dpa

In Ihrem neuen Buch "Das Ende" beschreiben Sie den Untergang des NS-Regimes und schildern, wie wenig Widerstand es aus der Zivilbevölkerung gegeben hat. Was hat die Menschen davon abgehalten, sich stärker für ihre Freiheit und ihr Überleben einzusetzen?

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Ian Kershaw: Terror. Die Einschüchterung, ganz besonders in der letzten Kriegsphase, schloss revolutionäre Erscheinungen von unten aus und führte, mit wenigen Ausnahmen, zu Passivität und Fatalismus.

Sie sprechen in Ihrem Buch auch vom "Faktor Hitler". Woraus setzt sich dieser zusammen? Wie hat Hitler seinen großen Machteinfluss erhalten können, obwohl außen alles zusammengebrochen ist?

Dieser Faktor bestand zum Teil natürlich aus seinem Charakter, in der letzten Phase auch aus Hitlers Unnachgiebigkeit und seinem Starrsinn. Aber noch mehr wurde der "Faktor Hitler" durch die zersplitterten Herrschaftsstrukturen definiert, wie ich anhand von vielen Beispielen zeige. Diese schlossen kollektives Handeln aus und führten zu gegenseitigem Misstrauen und zu großen Rivalitäten in den Hierarchiestufen unterhalb Hitlers.

Warum war die Machtelite bis zum Schluss bereit, den Befehlen Hitlers zu folgen, warum gab es unter seiner Gefolgschaft so wenig Widerstand?

Seine Paladine und die etwa 40 Gauleiter der NSDAP hatten die Brücken hinter sich abgebrochen. Sie wussten, dass ihre Macht von Hitler abhing und dass sie ohne ihn keine Zukunft hatten. Die Wehrmachtführung kämpfte um die Landesverteidigung: Es ging darum, die Eroberung und Besetzung durch den Feind, insbesondere durch die Sowjets, zu verhindern. Im Bewusstsein deutscher Gräueltaten - vor allem im Osten - hatte die Wehrmachtführung auch Angst vor der Rache des Feindes im Fall einer Niederlage.


© APA/HERBERT NEUBAUER © APA/HERBERT NEUBAUER

War die Herrschaft ausschließlich auf Hitler ausgerichtet oder hatte er Helfer, die ähnlich fanatisch den Glauben vom "Endsieg" aufrechterhalten haben?

Es war eine höchst personalisierte Herrschaftsform. Aber natürlich fand Hitler bis zum Schluss bei den Funktionseliten, unter den regionalen und lokalen Unterführern der Partei sowie in der Wehrmacht - sowohl bei den Generälen als auch bei einem Teil der Landser - teilweise überzeugte, häufig sogar fanatisierte Unterstützung.




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Dokument erstellt am 2012-01-03 14:44:05
Letzte Änderung am 2012-01-04 12:03:02


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