• vom 12.01.2012, 20:27 Uhr

Autoren

Update: 12.01.2012, 20:32 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Literaturkritiker Hellmuth Karasek hat ein Buch über Witze geschrieben

Gute Laune hat Vorteile


Von Claudia Böhm

  • Ein Gespräch über das befreiende Lachen über das Alter und engstirnige Kollegen.

"Wiener Zeitung":

Hellmuth Karasek (78) vor seinem natürlichem Umfeld, dem Bücherregal.

Hellmuth Karasek (78) vor seinem natürlichem Umfeld, dem Bücherregal.© dpa Hellmuth Karasek (78) vor seinem natürlichem Umfeld, dem Bücherregal.© dpa

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über Witze zu machen? Heißt es nicht "Erkläre einen Witz und du ruinierst ihn?"

Werbung

Hellmuth Karasek: Ja, aber auf der anderen Seite, wenn man Witze nicht erklärt, hinterlassen sie oft einen etwas fahlen, nutzlosen Beigeschmack. Ich habe ein Buch über das Alter geschrieben "Süßer Vogel Jugend", und dachte, das Alter ist ein so trostloser, schrecklicher Zustand, selbst wenn man es jemandem erzählt, denkt der: "Um Gottes willen, das sieht der zu finster". Bis man selber dort landet und merkt, es ist die nackte Wahrheit. Alter ist wirklich ein Massaker und eine Katastrophe, über die es sehr viele Witze gibt, weil Witze Ventile sind, mit denen wir das Schreckliche wenigstens in Gesellschaft und Solidarität weglachen können.

Information

Buchtipps:
Hellmuth Karasek: Soll das ein Witz sein? (Bastei Lübbe)
Hellmuth Karasek, Eckart von Hirschhausen: Ist das ein Witz? (Audiobook, der Hörverlag)

Sind heitere Menschen beliebter als Pessimisten und Schwarzmaler?

Das ist so. Ich habe Billy Wilder mal gefragt: "Du hast die lustigsten Filme der Welt gemacht, bist Du eigentlich ein lustiger Mensch?", und da hat er mich angeguckt und gesagt: "Ich will Dir eine Geschichte erzählen. In Zürich kommt ein Mann zu einem Psychiater an einem schönen Vormittag. ,Herr Doktor, Sie müssen mir sofort helfen, ich drohe gerade in einer grässlichen Depression zu versinken. Da sagt der Arzt: ,Ja, was mache ich nur mit Ihnen?, zeigt aus dem Fenster, wo man einen herrlichen Panoramablick auf den Züricher See hat, und sagt: ,Sehen Sie diesen wunderbaren See? Da gehen Sie jetzt spazieren. Dahinter sehen Sie die schneebedeckten Alpenspitzen, die in der blauen Luft funkeln. Auf dem See sehen Sie Boote fahren, Kinder spielen am Rand, Sie kommen an der Goldküste vorbei, wo die schönsten Villen stehen, und dann gehen Sie zurück in die Kronenhalle Mittag essen. Dann wird es Ihnen schon viel besser gehen. Nachmittags gehen Sie in der eleganten Bahnhofsstraße mit ihren Uhren- und Herrenmodegeschäften spazieren, wo die besten Chocolatiers der Schweiz sind. Am Abend gehen Sie in den Zirkus mit dem weltberühmten Clown Grock, der wird Sie erheitern. Wenn der es nicht schafft, dann niemand. Darauf schaut ihn der Patient traurig an und sagt: ,Aber ich bin Grock!" - Lustige Menschen sind auch lustig, weil sie ihre Trauer überspielen müssen.

Sind Sie in Wirklichkeit auch ein Melancholiker?

Teilweise schon, ja.

Sie haben eine enorme Karriere gemacht. Das schafft man nur, wenn man mit beiden Beinen fest auf der Erde steht.

Ich habe in meinem Altersbuch einen Cartoon aus dem "New Yorker" beschrieben, der großen Eindruck auf mich gemacht hat. Ein Mann fällt aus einem Wolkenkratzer vom hundertsten Stock herunter, passiert gerade Stockwerk sechsundzwanzig und sagt: "Bisher ist ja alles gut gegangen." Aber jeder Mensch, der sagt: "Bisher ist alles gut gegangen", weiß, dass er irgendwann bei einem Stockwerk null mit einem tödlichen Crash landet. Das ist ein Bild für unser Leben, das wir nicht aus der Welt schaffen können. Wir müssen versuchen damit umzugehen, und eine Möglichkeit ist, damit witzig umzugehen.

Sie waren auch außerhalb des literarischen Quartetts in Unterhaltungssendungen. Hat Ihnen das das Feuilleton übel genommen?

Sie können sich heute nicht mehr vorstellen, dass das "Literarische Quartett" ein wahnsinniger Abstieg in den Augen der Kollegen war. Der berühmte Leiter des Feuilletons der "FAZ" Marcel Reich-Ranicki geht ins Fernsehen. Und mit ihm der Kulturchef des "Spiegel". Joachim Kaiser hat über das "Literarische Quartett" geschrieben: "Das ist ein Zirkus, und lange wird das nicht gutgehen können", dabei war er im Laufe der Jahre dreimal zu Besuch in diesem Zirkus. Seit es das nicht mehr gibt, sagen die Leute: "Ach, was waren das noch für intellektuelle Zeiten!" Das ist immer so. Und so war es auch mit dem Beginn des Fernsehens. Es muss immer erst ein neues Medium die Menschen erobern und klarmachen, dass die moderne Kultur eine Popkultur ist.

Waren Sie damals traurig, als das "Literarische Quartett" aufhörte, oder eher froh, weil Sie auch etwas anderes machen konnten?

Ich war traurig und erleichtert zugleich, weil ich nicht mehr so gezielt lesen musste, sondern weil ich lesen durfte. Das ist etwas viel Befreienderes.

Wie wichtig ist für Sie Erfolg?

Die Anerkennung von Menschen ist ungeheuer wichtig für mich, weil man manchmal sogar das Gefühl hat, man wird besser anerkannt, als man es verdient, dann erschrickt man auch. Aber auf der anderen Seite weiß man, wie fragil das ist und wie schnell man da rausfallen kann. Denken Sie mal an den absoluten Superstar der Politik, Guttenberg, wie schnell der gestürzt ist.

Womit kann man sich bei Ihnen unbeliebt machen? Gibt es etwas, das Sie überhaupt nicht leiden können?

Ich mag intolerante Menschen nicht so, und ich mag Menschen nicht, die sagen: "Wie läuft der wieder rum? Was nimmt der sich heraus?" Ich war Gott sei Dank eine Zeit lang auch am Theater tätig, mein ältester Sohn ist ja Intendant in Kiel, und die Theaterleute gewöhnen einem so etwas am ehesten ab.




Schlagwörter

Karasek, Humor

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-01-12 16:14:06
Letzte Änderung am 2012-01-12 20:32:57


Französischer Text wurde aus Sprechblase entfernt

Flämischer Politiker wütet gegen Comic

Schuiten - Zeichnung: François Schuiten, Collage: WZ Online Der Sprachenstreit zwischen Flamen und Wallonen in Belgien wird von Politikern jetzt auch auf Comics übertragen. Auf Veranlassung eines flämischen... weiter




Von Disney bis Underground

"Gratis-Comic-Tag" am 11. Mai

20130510Die Simpsons - Der Film - APAweb/dpa Berlin. Beim Gratis-Comic-Tag werden am Samstag (11. Mai) in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 300.000 kostenlose Hefte verteilt... weiter



Werbung



Buch des Monats

Ihr wunderbarer Friseursalon

friseursalon - © Wiener Zeitung / Christa Hager Dass Weißheit nicht im Kopf, sondern auf dem Kopf beginnt, diese Erfahrung ist das Erfolgsgeheimnis des Friseursalons von Frau Khumalo... weiter




Februar 2013

Der Friedhof vor Europas Toren

CAP ANAMUR - APA / EPA/FRANCO LANNINO Wenn Bücher über menschenrechtliche Missstände nach zehn Jahren nach wie vor aktuell sind, dann wirft das kein gutes Licht auf die Wirklichkeit... weiter



Beliebte Inhalte



Hier wird vereint, was vor ein paar Jahren für Kopfschütteln sorgte. - Mazak
  • Am 23. Mai eröffnet die Wohngemeinschaft offiziell ihre Pforten.
  • weiter

Emmelie de Forest holt den nächsten Song Contest nach Dänemark. - APAweb / AP / Alastair Grant
  • Emmelie de Forest setzte sich mit "Only teardrops" gegen 25 Konkurrenten durch.
  • weiter

Typische Blogs auf Tumblr: Herzige Tiere, Selbstdarstellungen und tiefsinnige Sprüche.  Der Aufsichtsrat des US-Internetkonzerns Yahoo hat nach einem Pressebericht grünes Licht für die Übernahme der Blogging-Plattform Tumblr gegeben...weiter

Verlierer des syrischen Bürgerkriegs ist die Bevölkerung. Viele Gebiete sind praktisch unbewohnbar (hier:  Deir al-Zor ). Die UNHCR zählt bereits 1,5 Millionen Flüchtlinge. - Foto: apaWeb / Reuters - Khalil Ashawi
  • Regierungstruppen erobern Qusayr
  • weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

  • Der Streit um religiöse Symbole ist ein Nebenschauplatz
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter




LitCologne

Goetz-Zitate in Köln

lit.cologne - lit.cologne Dass es keine Lesung wie so viele andere bei der 13. LitCologne werden würde, stand bei Rainald Goetz von vorne herein fest... weiter




Litblog

Der Preis des Schriftstellers

20121205_klier - Privatarchiv Klier Der Tiroler Autor, Maler und langjährige Mitarbeiter der "Wiener Zeitung" Walter Klier (57) wurde heuer mit dem Otto-Grünmandl-Literaturpreis (5... weiter




Literaturfestival "Sprachsalz" in Hall in Tirol

Bergmuseum für Beatniks

Pointierte Sprachspielerin: die Schweizerin Daniela Dill. - sprachsalz Von Loriot stammt der Satz, dass ein Leben ohne Mops zwar grundsätzlich vorstellbar, aber völlig sinnlos sei. An diese Weisheit hält sich auch das... weiter





Werbung