• vom 01.02.2012, 15:07 Uhr

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Update: 01.02.2012, 15:52 Uhr
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Der Bestseller, den kaum einer gelesen hat, erregt wieder die Gemüter

Aufregung um "Mein Kampf"


Von Edwin Baumgartner

  • Das Autorenrecht verhindert derzeit noch den Nachdruck.

Die Erstausgabe von "Mein Kampf" (1925), hier in einer Ausstellung im Deutschen Historischen
Museum in Berlin.

Die Erstausgabe von "Mein Kampf" (1925), hier in einer Ausstellung im Deutschen Historischen
Museum in Berlin.
© Wikipedia Die Erstausgabe von "Mein Kampf" (1925), hier in einer Ausstellung im Deutschen Historischen
Museum in Berlin.
© Wikipedia

Nehmen wir an, das Buch käme heute ganz normal in den Handel: Wetten, dass es ein Verkaufsschlager wäre? Wenngleich nur der Anrüchigkeit wegen. Wegen des furchtbaren Geheimnisses, das hinter den Buchdeckeln angeblich verborgen liegt. Wegen der simplen Tatsache, dass der Nachdruck jahrzehntelang verboten war. Kurz: wegen der durch Verbot und Hysterie in allen Richtungen ins Unermessliche gesteigerten Neugier. Sicher ist auf jeden Fall: Adolf Hitlers "Mein Kampf" wäre ein Bestseller.

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Das dachte wohl auch der britische Verleger Peter McGee, der eine Zitatensammlung aus "Mein Kampf" auf den Markt bringen wollte, aber an der Rechtslage scheiterte. Sie sieht so aus, dass der Freistaat Bayern die Rechte an "Mein Kampf" besitzt. Bayern untersagt den Nachdruck - in der offiziellen Version, um keine nationalsozialistische Propaganda zu betreiben; in Wahrheit spielt wohl aber auch ein moralisches Dilemma mit: Bayern würde aus dem Verkauf von "Mein Kampf" Tantiemen beziehen, und in diesem Fall stinkt Geld eben doch.

Unvermeidbar ändert sich die Rechtslage jedoch am 30. April 2015, wenn die 70-jährige Schutzfrist nach dem Tod eines Autors, die auch für Hitler gilt, endet. Ab diesem Moment kollidiert der Nachdruck von "Mein Kampf" nur noch mit den Gesetzen gegen nationalsozialistische Propaganda respektive Wiederbetätigung.

Nach gegenwärtiger Rechtslage darf "Mein Kampf" in Deutschland derzeit ohnedies verkauft werden, wenn es sich um Exemplare handelt, die vor dem 30. April 1945 gedruckt wurden. In Österreich ist der Privatbesitz legal, ebenso ist es erlaubt, dass Bibliotheken "Mein Kampf" zu Studienzwecken verleihen. Auch der Verkauf durch Antiquariate ist gesetzeskonform. Allerdings ist alles verboten, was der Verbreitung nationalsozialistischer Gesinnung dient. De facto müsste der Antiquar also sicherstellen, dass der Käufer "Mein Kampf" nicht zu Propagandazwecken benützt.

Geringe Berührungsängste
Im angloamerikanischen Raum sind die Berührungsängste mit dem Buch längst geschwunden. Selbst ein international agierender Händler wie "amazon.com" bietet "Mein Kampf" an, und zwar sowohl in englischen Übersetzungen als auch im deutschsprachigen Original. Viele der Leserkommentare weisen in die gleiche Richtung wie diese Meinung: "Wenn man verstehen will, weshalb der Holocaust geschah, kann man es nicht vermeiden, die Worte des Mannes zu lesen, der dafür verantwortlich war."




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-02-01 15:14:06
Letzte Änderung am 2012-02-01 15:52:31


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