
Wien. Auch als zugereiste Engländerin muss man sich in Österreich integrieren. Das beschreibt Emily Walton in ihrem kurzweiligen Debütroman "Mein Leben ist ein Senfglas", der stark autobiografische Züge aufweist. Poppy Simmons heißt ihre englische Protagonistin, die - wie Walton - als Achtjährige 1992 gemeinsam mit ihren Eltern ins Salzkammergut übersiedelt. "Ich wollte zeigen, wie es einem geht, wenn man immer ein klein wenig anders ist", sagt Walton, die gleichzeitig betont, ein optimistisches Buch geschrieben zu haben: "Es geht Poppy keineswegs schlecht. Sie wurde gut aufgenommen."
Humorvoll und sehr bildhaft schildert Emily Walton, wie ihre Protagonistin in jedem Kapitel aufs Neue mit dem Zusammenprall ihrer Herkunft auf das neue Umfeld konfrontiert ist. Es fängt an mit Poppys Namen, der dauernd falsch ausgesprochen wird, vor unerwartete Herausforderungen stellt sie als Angehörige der Church of England auch die Schulbeichte beim Priester, und schließlich muss sie es noch ertragen, gemeinsam mit Drei- bis Fünfjährigen im Skikindergarten die ersten Bögen zu erlernen.
Die Ähnlichkeiten zu Emily Waltons Leben sind unverkennbar. Wie ihre Protagonistin ist Walton ein Einzelkind. "Wäre Poppy mit Geschwistern aufgewachsen, hätte ich ihre Situation nicht wirklich nachempfinden können. Sie hätte sich vielleicht nicht so einsam gefühlt", meint Walton, die weiß, wie es ist, wenn die nächsten Verwandten tausende Kilometer entfernt sind.
"Mein Leben bildet das Grundgerüst", sagt die junge Autorin. Gleichwohl hat sie in allen Geschichten Autobiografie mit Fiktion verfremdet: "Für das Buch habe ich ein Mädchen geschaffen, das nicht mehr ich selbst bin." Emily Walton beschreibt Poppy als "neugierig, etwas tollpatschig und immer ein wenig anders als der Rest".
Es war Waltons Intention, eine Migrantengeschichte zu schreiben. Freilich zeigt sich dabei, wie weit der Migranten-Begriff eigentlich ist. Wer aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen sein Herkunftsland verlässt und aus dem Osten kommt, gilt meist als Migrant. Das sei auch gut so, meint Walton. "Für mich als Engländerin brauchte es keine speziellen Integrationsprogramme." Sie sieht sich auch nicht als Migrantin und wurde auch nicht so wahrgenommen. "Du bist ja keine ,echte Ausländerin, höre ich oft." Der westeuropäische Kulturkreis sei eben sehr ähnlich. Die Westeuropäer gelten einfach als mobil, weil sie meist gut gebildet sind und auch nicht aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen ausgereist sind. "Diese Unterscheidung von guten und schlechten Ausländern ist im Denken schon stark verankert."
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