
(cb) Er galt als einer der portugiesischsten unter den portugiesischen Dichtern. Und das, obwohl Antonio Tabucchi gebürtiger Toskaner war. Sein bekanntestes Werk war "Erklärt Pereira". Es spielt - natürlich - im Lissabon der faschistischen Herrschaft Salazars. Pereira ist ein alternder Kulturjournalist, der harmlose Nachrufe schreibt. Bis er einen wehrhaften jungen Kollegen kennenlernt und der unpolitische Intellektuelle doch politisch wird - später wurde der Roman mit Marcello Mastroianni verfilmt.
"Erklärt Pereira" ist nicht nur Tabucchis berühmtestes Werk, es ist auch jenes, das seinen eigenen Lebensweg am plakativsten widerspiegelt. Auch er wurde gegen Ende seines Lebens zum kritischen Zeitzeugen, und da vor allem zum vehementen Gegner von Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi. Er sprach etwa von "einem schwer aufzuhaltenden Klima des kulturellen Verfalls" - Berlusconi revanchierte sich damit, ihn abfällig "Exportitaliener" zu nennen.
Das stimmte ja auch auf eine gewisse Weise: Tabucchi verbrachte den Großteil des Jahres in Lissabon. Er war ein Wahlverwandter Portugals, das lag wohl nicht zuletzt an einem bestimmten Portugiesen: Fernando Pessoa. Tabucchi befasste sich fast sein ganzes Leben lang mit dem archetypischen Dichter der Saudade. Kaum einer kennt Pessoa so gut wie er, der Bücher über ihn geschrieben hat und ihn übersetzt hat. Die Vorliebe für das Lusitanische ging so weit, dass Tabucchi sein Buch "Lissabonner Requiem" auf Portugiesisch verfasste. Seine Romane wanderten geheimnisvoll zwischen Traum, Fantasie und Wirklichkeit.
Das letzte auf Deutsch erschienene Buch des Trägers des "Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur" heißt "Die Zeit altert schnell". "Die Menschen können sich nicht aussuchen, wo sie geboren werden, aber wo sie leben und sterben schon", sagte er einmal. Tabucchi ist am Sonntag in Lissabon mit 68 Jahren gestorben.
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