Teheran/Berlin. Im Zuge der weltweiten Proteste gegen den Mohammed-Schmähfilm hat der Iran einen alten Lieblingsfeind wieder entdeckt. Eine iranische Stiftung hat das Kopfgeld für die Tötung des britisch-indischen Autors Salman Rushdie (65) auf 3,3 Millionen US-Dollar (2,56 Mio. Euro) erhöht. Die bisherige Prämie sei um 500.000 Dollar gestiegen, berichteten iranische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf eine Mitteilung der staatsnahen Stiftung "15. Chordad", die das Kopfgeld ausgesetzt hat.
Obwohl er schon lange im Visier der Mullahs steht, würde Rushdie seinen Roman "Die satanischen Verse" genauso wieder schreiben. "Zum Glück muss ich es nicht mehr", sagte er in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Aber: "Ich bestehe auf dem Recht der Meinungsäußerung - auch gegenüber Religionen."
Keine Beleidigung der Frauen des Propheten
Auch die umstrittenen Traumpassagen über den Propheten, in dem Huren nach den Ehefrauen des Propheten Mohammed benannt sind, würde er so lassen. "Ich finde, sie gehören zu den besten Passagen des Buchs (...) Diese Passagen sind ernsthaft und legen an keiner Stelle nahe, dass die Frauen des Propheten sich unangemessen verhalten hätten."
Trotz der Unruhen und Angriffe auf westliche Einrichtungen in islamisch geprägten Ländern in den letzten Tagen zeigt Rushdie keine Angst. "Wir müssen aufhören, so zu denken. Das ist ein Denken der Angst."
Nach dem Erscheinen des Buchs im Jahr 1988 rief das geistliche und politische Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ruhollah Khomeini, im Februar 1989 in einer Fatwa zur Tötung Rushdies auf. Khomeinis Nachfolger Ayatollah Ali Khamenei bekräftigte im Jahr 2005 die Gültigkeit des islamischen Rechtsgutachtens, das auch von Präsident Mahmud Ahmadinejad unterstützt wird.
Lebenserinnerung mit dem Titel "Joseph Anton"
Am kommenden Dienstag (18.9.) erscheinen die Lebenserinnerungen des verfolgten Schriftstellers Rushdie - zeitgleich in 27 Ländern. In Deutschland hat sich der Münchner Verlag C. Bertelsmann die Rechte gesichert. Die Startauflage beträgt 100.000 Exemplare. "Joseph Anton" nennt der Bestsellerautor und Booker-Preisträger seine Lebenserinnerungen. Es ist eine Kombination aus den Vornamen seiner Lieblingsschriftsteller Conrad und Tschechow - und sein Tarnname während der Jahre im Untergrund.
Salman Rushdie: "Joseph Anton - Die Autobiografie". 720 Seiten, Euro 25,70, C. Bertelsmann Verlag München 2012.
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