
Frankfurt am Main. Sie war die einzige Frau auf der Liste der Bewerber für den Deutschen Buchpreis 2012: Die 64-jährige Autorin Ursula Krechel hat die Jury mit ihrem Roman "Landgericht" (Verlag Jung und Jung) überzeugt. Am Montagabend wurde ihr der Preis übergeben. Als Romanschriftstellerin ist die Berlinerin eine Spätzünderin. Einen Namen gemacht hatte sie sich vor allem mit Gedichten (insgesamt 13 Lyrikbänden sind von ihr erschienen), ehe sie mit erst 60 Jahren ihren ersten Roman verfasste. Dafür räumte "Shanghai fern von wo" gleich mehrere Preise ab.
"Landgericht ist ihr zweites großes Prosawerk. Die Jury lobt es vor allem als einen "bewegenden, politisch akuten, in seiner Anmutung bewundernswert kühlen und modernen Roman". Inhaltlich ist es eine Mischung aus Fakten und Fiktion über einen jüdischen Emigranten, der nach seiner Flucht vor den Nazis 1947 nach Deutschland zurückkehrt, in der eigenen Heimat aber nie mehr heimisch wird. Vorbild für die tragische Figur war ein Jurist, auf den Krechel zufällig stieß.
Der Deutsche Buchpreis ist mit 25.000 Euro dotiert. Auf der Shortlist standen neben Krechel auch Wolfgang Herrndorf, Ernst Augustin, Stephan Thome, Ulf Erdmann Ziegler und der 29-jährige Grazer Clemens J. Setz.
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