• vom 12.10.2012, 14:17 Uhr

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Update: 12.10.2012, 15:10 Uhr
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"Wer sich aufs Geld versteht..."


Von Wolfgang Ludwig

  • Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe war auch Finanzminister - und ein vermögender Mann. Über seine persönliche Finanzgebarung pflegte er penibel Buch zu führen.

Im Jahr 1774 veröffentlichte der junge Jurist Goethe den auf seinen Liebeserfahrungen während seiner Praktikantenzeit in Wetzlar beruhenden Roman "Die Leiden des jungen Werther", der den jungen Autor in ganz Europa berühmt machte.

"Wer sich aufs Geld versteht, versteht sich auf die Zeit", schrieb Goethe 1796: Der vermögende Geheimrat reiste viel, angeblich 40.000 Kilometer. "Goethe in der Campagna", Gemälde von Tischbein.

"Wer sich aufs Geld versteht, versteht sich auf die Zeit", schrieb Goethe 1796: Der vermögende Geheimrat reiste viel, angeblich 40.000 Kilometer. "Goethe in der Campagna", Gemälde von Tischbein.Wikimedia "Wer sich aufs Geld versteht, versteht sich auf die Zeit", schrieb Goethe 1796: Der vermögende Geheimrat reiste viel, angeblich 40.000 Kilometer. "Goethe in der Campagna", Gemälde von Tischbein.Wikimedia

Ein Jahr später, im November 1775, zog er auf Vermittlung seines Freundes, des Herzogs Karl August, nach Weimar, das vor allem durch das Bemühen von Herzogsmutter Anna Amalia im Begriff war, eine bedeutende kulturelle Rolle im deutschen Sprachraum einzunehmen.

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Wie es damals im gehobenen Bürgertum allgemein üblich war, führte Goethe ab seiner Zeit in Weimar über seine Einnahmen und Ausgaben genau Buch, was uns heute detaillierte Einblicke in sein Finanzleben und seinen Alltag ermöglicht.

Information

Hinweis: Bis zum 30.12.2012 läuft im Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt die Ausstellung "Goethe und das Geld".

Johann Wolfgang kam aus einem sehr wohlhabenden, großbürgerlichen Frankfurter Elternhaus. Sein Vater, ein ausgebildeter Jurist, konnte es sich leisten, sich als Privatier hauptsächlich mit der Verwaltung und Vermehrung des vom Großvater - einem höchst erfolgreichen Schneider - ererbten Vermögens zu beschäftigen. Der junge Johann Wolfgang wuchs daher in einem nur wenigen Frankfurter Familien vergönnten Wohlstand auf: Mehrere Dienstboten, zahlreiche Reisen, Privatunterricht, ein ansehnliches Haus am Großen Hirschgraben, in das auch beträchtliche Summen investiert wurden, beste Speisen und teure Weine waren eine Selbstverständlichkeit. Ein Standard, an den man sich gewiss rasch gewöhnte.

Komfortable Zuschüsse

Schon als Student bekam der junge Goethe hohe Zuwendungen von zu Hause. Als er nach Weimar zog, brauchte er einige Zeit, um gesellschaftlich und beruflich Fuß zu fassen. "Werther" war zwar kurz davor ein Bestseller geworden, aufgrund schlechter Verträge mit dem Verleger und zahlreicher Raubdrucke brachte der literarische Erfolg aber nur mäßige Einnahmen. Goethe dachte jedoch nicht daran, seinen Lebensstil zu ändern.

Seine Einnahmen im ersten Weimarer Jahr betrugen 1200 Taler (wenn eine ganze Familie damals 300 bis 400 Taler im Jahr verdiente, galt sie nicht mehr als arm!), seine Ausgaben beliefen sich aber auf das Doppelte seiner ohnehin beachtlichen Einnahmen! Zwar empfahl sein Kammerdiener Philipp Seidel (der das Haushaltsbuch im Auftrag seines Herrn meist selbst führte) Einsparungen bei Kleidung und Personal, Goethe ging jedoch nicht darauf ein. Zuwendungen aus seinem Elternhaus und seitens des Herzogs halfen ihm aus der prekären Situa- tion.

Doch einnahmenseitig sollte sich die Situation bald ändern. Für später erschienene Werke erhielt der Dichter von Cotta, seinem neuen Verleger, meist Beträge um die 10.000 Taler, oft auch beträchtlich mehr. Im Staatsdienst in Weimar bezog er als Geheimer Rat mindestens 1500 Taler im Jahr, ab der Jahrhundertwende zumindest 2000, später über 3000 Taler. Die Wohnung stellte die fürstliche Familie zur Verfügung. Immer wieder gab es zusätzliche Zuwendungen des Fürsten.

In den Weimarer Jahren (1776 - 1832) stammten 35,1% von Goethes Einnahmen aus dem dienstlichen Einkommen als Beamter, 46,7% waren Honorare, 3,5% zusätzliche Zuwendungen des Herzogs, 6,7% Zinseinnahmen aus guten Veranlagungen, 4,2% kamen aus Erbschaften, 2,9% waren Zuwendungen aus seinem Elternhaus und nur 0,3% der Einnahmen waren Tantiemen von Theateraufführungen, die damals für Autoren nicht viel einbrachten. Goethes Steuerleistung betrug übrigens nur 4% seines Einkommens.

Seine Einkünfte vom Fürstenhaus erhielt Goethe in bar durch einen Boten, den er mit reichlich Trinkgeld belohnte. Der Geldbote erhielt 19 Kreuzer für das Überbringen der Barschaft - die Wäscherin bekam für drei Tage Arbeit insgesamt nur 12 Kreuzer. Die detailliert geführten Haushaltsbücher geben interessante Einblicke in die Ausgabenstruktur. Die folgenden Angaben stellen einen repräsentativen Durchschnitt der Jahre 1816 bis 1831 dar:

37% gab Goethe für Haushaltsführung inklusive der Nahrungsmittel aus (bei vielen Familien lagen die Ausgaben für weniger hochwertige Nahrungsmittel bei über 70%), 15% betrugen seine Ausgaben für Weine, die gesondert aufgelistet wurden. 12% waren für die nicht näher detaillierten "persönlichen Ausgaben des Herrn Staatsminister" vorgesehen, 5% für die Hausbediensteten, weitere Auslagen betrafen Gäste und den Garten, Almosen, Holz und Wäsche.

Die stetig steigenden Einnahmen waren natürlich mit einer weiteren Steigerung des Wohlstandes verbunden, was man an verschiedenen Details ablesen kann: Notierte Goethe anfangs sehr häufig Transportkosten mit Sänften, fällt dieser Posten später weg, stattdessen werden Erhaltungskosten für den eigenen Fuhrpark verbucht.

Bemerkenswert ist der folgende Eintrag: 1776, zu Beginn der Weimarer Jahre, verlief sich in Goethes Garten ein junger Fuchs und verletzte sich dort möglicherweise. Das Tier blieb einige Monate bei Goethe, wurde gehegt und gepflegt und mit Brot und Fleisch im Gegenwert von mehreren Groschen versorgt.

Bier für die Wäscherin
Neben den vier bis sechs permanenten Hausangestellten gab es für spezielle Dienstleistungen externe Arbeitskräfte: Die oben erwähnte Wäscherin erhielt zusätzlich zu ihrem Lohn noch Bier, die Näherin indes bekam Kaffee. Das gesamte Personal wurde zu Zeiten von Jahrmärkten mit Extrageld bedacht. Auch kleinste Ausgaben wie ein Zopfband, das Annähen von Manschetten oder das Laternengeld, eine kleine Entschädigung für den Laternenanzünder, werden penibel aufgelistet. Immer wieder tauchen auch Einträge "für einen ungenannten Zweck" auf. Was sich Goethe da wohl geleistet haben mag? Oder konnte er sich einfach nicht mehr erinnern?




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-12 14:24:41
Letzte Änderung am 2012-10-12 15:10:34


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