• vom 23.08.2013, 16:15 Uhr

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Gott hat Humor




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Von Christina Böck

  • G.K. Chesterton soll auf seine Seligkeits-Tauglichkeit geprüft werden.

Nicht direkt ein Asket: Schriftsteller Chesterton.

Nicht direkt ein Asket: Schriftsteller Chesterton.© corbis Nicht direkt ein Asket: Schriftsteller Chesterton.© corbis

So ist das also heutzutage: Da schreibt man ein paar Krimis, in denen ein Geistlicher ermittelt, und schon wird man seliggesprochen? Die macht sich’s auch schon leicht, die katholische Kirche. Das mag sich mancher gedacht haben, der gelesen hat, dass der britische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton seliggesprochen werden soll.

Aber so abwegig, wie das erst mal klingt, ist das gar nicht. Wurde doch Chesterton, der Erfinder des populären "Father Brown", bereits nach seinem Tod 1936 von Papst Pius XI. als "Defensor Fidei", als Verteidiger des Glaubens geehrt. Gut, diesen Titel hat auch Heinrich VIII. verliehen bekommen. Der wird wohl nicht so bald seliggesprochen.


Eines ist klar, wegen seines asketischen Lebensstils hat sich Pius XI. wohl nicht für Chesterton eingesetzt. Der leidenschaftliche Zigarrenraucher wog über 130 Kilo und es gibt die berühmte Anekdote, laut der er zu George Bernard Shaw gesagt hat: "Wenn man dich so ansieht, könnte man meinen, in England herrscht Hungersnot." Worauf Shaw zu ihm gesagt hat: "Und wenn man dich so anschaut, könnte man meinen, dass du schuld bist."

Tatsächlich fand Chesterton eher spät zum Katholizismus, erst 1922 konvertierte er vom anglikanischen Glauben. Bevor er sich dem Christentum zuwandte, hatte er auch mit okkulter Esoterik experimentiert. Über seinen Religionsumstieg hat der streitbare Dichter seine Leser nicht im Unklaren gelassen. So schrieb er etwa: "Es geht darum, was ein Mensch glauben muss; was er gar nicht anders kann, als zu glauben. Man kann die Kirche nicht mehr als Kind behandeln, wenn man einmal herausgefunden hat, dass sie die Mutter ist." Außerdem, so schrieb er, sei die Konversion "der Beginn eines aktiven, fruchtbaren, fortschrittlichen und auch abenteuerlichen intellektuellen Lebens".

Jetzt noch ein Wunder
Chesterton war durchaus keiner, der sich Mainstream-Meinungen anschloss. Er lehnte den Kolonialismus des britischen Empires ab, trat für die Unabhängigkeit Irlands ein, er sprach sich gegen den Kapitalismus aus, wobei er mitunter auch in antisemitische Denkmuster kippte. Den Nationalsozialismus, auch Nietzsches Theorie vom Übermenschen lehnte er wiederum ab.

In diesem Monat hat also der Bischof von Northampton ein Verfahren zur Überprüfung Chestertons eingeleitet, mit dem das Potenzial für eine Seligsprechung ausgetestet werden soll. Für eine Seligsprechung muss Chesterton nicht nur ein entsprechend tugendhaftes Leben geführt haben, es muss auch ein Wunder geschehen sein, das auf ihn zurückzuführen ist. Es reicht da schon die Heilung von Krampfadern, wie Atheisten gern über den seligen Kaiser Karl spotten. Über Atheismus sagte Chesterton übrigens: "Wenn es keinen Gott gäbe, gäbe es auch keine Atheisten."

Die Chesterton-Fangemeinde, nach wie vor in der ganzen Welt reichlich vertreten, freut sich naturgemäß über den Schritt des Bischofs. Zumindest eine seiner vielen theologisch-philosophischen Veröffentlichungen könnte Chesterton zum Vorteil gereichen, sollte das Anliegen auch einmal Rom erreichen. Neben einer Biografie von Thomas von Aquin hat er auch eine über Franz von Assisi verfasst. Und er hat sich dafür eingesetzt, dass mehr auf die Armen gehört werden sollte. Da gibt es eine nicht ganz unwichtige Person im Seligsprechungsprozess, der solche Ideen gefallen. Und er weiß das auch schon länger: Papst Franziskus ist Mitglied der argentinischen Chesterton-Gesellschaft.

Der erste Krimiautor im erlauchten Kanon der Seligen - auch für so etwas gibt es ein Chesterton-Zitat: "Gott hat Humor, sonst hätte er nicht den Menschen erschaffen."




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Dokument erstellt am 2013-08-23 16:20:03



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