• vom 05.12.2013, 15:32 Uhr

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Update: 05.12.2013, 16:48 Uhr

Auf fremdem Land

"Es ist wie der Wilde Westen"




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Von Christina und Martin Höfferer

  • Assaf Gavron über Selbstmordattentate und das literarische Potenzial des Nahost-Konflikts.

"Nichts ist schwarz-weiß": Assaf Gavron.

"Nichts ist schwarz-weiß": Assaf Gavron.© Philippe Matsas/Agence Opale "Nichts ist schwarz-weiß": Assaf Gavron.© Philippe Matsas/Agence Opale

"Wiener Zeitung": Am Beginn Ihres Buches "Ein schönes Attentat" scherzen Sie über die Paranoia, dass manche Tel Aviver nicht den Bus nehmen wollten aus Angst vor Attentaten.

Assaf Gavron: "Ein schönes Attentat" habe ich vor zehn Jahren geschrieben. Heute ist es ganz anders in Israel. Vor zehn Jahren gab es täglich Selbstmordattentate, es war surreal. Die Menschen hatten Angst, mit dem Bus zu fahren, in Shopping Malls und in Restaurants zu gehen. Überall, wo eine Menschenmenge war, wurde es gefährlich. Darüber wurde die ganze Zeit gesprochen, die Leute verdächtigten einander.

Information

Zur Person
Assaf Gavron (45) wuchs in Jerusalem auf, studierte in London und Vancouver und lebt heute mit seiner Familie in Tel Aviv. Er hat mehrere Romane und einen Band mit Erzählungen veröffentlicht und genießt in Israel Bestseller-Status.

Er ist Sänger und Songwriter der israelischen Kultband "The Mouth and Foot" und hat das Computerspiel "Peacemaker" mitentwickelt, das den Nahost-Konflikt simuliert.


Wie ist die Situation heute?

Viel ruhiger. Gewalt gibt es meistens im Westjordanland. In Tel Aviv wurde es zuletzt vor etwa einem Jahr gefährlich, als Tel Aviv von Gaza aus mit Raketen beschossen wurde. Sirenen heulten und wir mussten in die Schutzräume gehen. Das dauerte eine Woche. Die meisten Orte in Israel sind aber überhaupt nicht gefährlich. Niemand denkt heute mehr an die Gefahr.

Finden Sie, dass man daran denken sollte?

Nein, gar nicht. Auch wenn seinerzeit jeden Tag ein Selbstmordattentat stattfand, waren die Chancen geringer, bei einem Attentat ums Leben zu kommen als bei einem Autounfall. Das heißt nicht, dass wir alles tun sollten, um den Konflikt zu beenden. Die Ruhe ist trügerisch. Die Besetzung findet nach wie vor statt. Wir erzeugen Wut und möglicherweise eine andere Form der Gewalt. Ich sage nicht, dass alles gut ist, aber auf der Straße bleibt man unbehelligt - das ist gut.

Israel - love it or leave it?

Ich lebte in London, Berlin, Kanada. Ich werde weiterhin immer wieder außerhalb von Israel leben. Aber Israel ist für mich zu Hause. Hier ist meine Familie, meine Freunde, meine Sprache, meine Kultur. Aber es ist schon ein schwieriger Ort zum Leben.

Für Ihr Buch "Auf fremdem Land" haben Sie im Westjordanland recherchiert. Das ist ungewöhnlich.

Mein Buch ist das erste, das jemand von außerhalb über das Phänomen der Siedler geschrieben hat. Das ist erstaunlich. Das Phänomen gibt es schon seit 40 Jahren, ist ein großes Thema, das ganz Israel betrifft. Die Leute dort waren überrascht, als sie erfuhren, dass ich kam, um etwas zu lernen, nicht aus politischen Gründen.

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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2013-12-05 15:35:04
Letzte ─nderung am 2013-12-05 16:48:44



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