• vom 19.01.2016, 16:37 Uhr

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Michel Tournier tot




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  • "Der Erlkönig" ist ein Klassiker der französischen Literatur.



Coisel (Maurepas). (eb) Es ist eine seltsame, eine grausame Geschichte, die Michel Tournier in seinem 1970 erschienenen Roman "Le Roi des Aulnes" (deutsch "Der Erlkönig", 1972) erzählt: Es geht um den Nationalsozialismus als den Verführer der Kinder - aber die Erzählung überhöht den Realismus und weist ins Symbolhafte, gar ins Phantastische. Mit diesem Werk, das Volker Schlöndorff 1996 unter dem Titel "Der Unhold" verfilmte, legte der am 19. Dezember 1924 in Paris geborene Tournier den Grundstein zu seinem Ruhm. Für das Buch bekam er den Prix Goncourt zugesprochen, heute gilt es als einer der Klassiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Tournier war der Sohn eines Germanisten-Ehepaars, und er liebte Deutschland und die deutsche Kultur. "Deutschland ist das Land meiner Träume. Ich suche es und finde es nicht. Meine unerfüllte Liebe zu Deutschland macht mich richtig zum Krüppel", sagte der Autor einmal. In Tübingen absolvierte er ein Philosophie-Studium, die Dozentur in Frankreich scheiterte an einer nicht bestandenen Prüfung. Tournier verlegte sich aufs Schreiben. Essays und autobiografische Literatur standen im Zentrum seines Schaffens. Große Resonanz fand auch sein komplexer Roman "Gilles et Jeanne" über die Beziehung zwischen Jeanne d’Arc und ihrem Hauptmann, dem Kinderserienmörder Gilles de Rais.


Am Montag ist Michel Tournier im Alter von 91 Jahren in Coisel gestorben.




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Dokument erstellt am 2016-01-19 16:41:04



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