• vom 26.01.2016, 14:04 Uhr

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Update: 26.01.2016, 14:11 Uhr

Wiener Gruppe

Die Genieküche der österreichischen Literatur




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Von Edwin Baumgartner

  • H.C. Artmann, Friedrich Achleitner, Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Oswald Wiener bildeten mit der Wiener Gruppe die literarische Avantgarde.

Das war eine Genieküche der österreichischen Literatur: H.C. Artmann, Friedrich Achleitner, Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Oswald Wiener setzten mit der Wiener Gruppe die große Revolution des Wortes in Gang. Durch den Nationalsozialismus hatte die deutschsprachige Literatur den Anschluss an die Avantgardebewegungenverloren.Der polyglotte Artmann dominierte die Gruppe, die weniger Verbandwarals ein sich gegenseitig befruchtender Freundeskreis. Artmann machte seineGefährten mit dem Dadaismus, vor allem aber mit dem französischen Surrealismus bekannt, so auch mit den "Verbarien", rein assoziativen Wortsammlungen, die keine Poesie sind, sondern die Poesie im Kopf des Lesers entstehen lassen. Artmann war es auch, der den "Poetischen Akt" proklamierte, demzufolge jeder, ohne auch nur ein Wort niederzuschreiben, in der Lage sei, poetisch zu handeln. Dichtung nicht mit Tinte auf Papier, sondern als Lebenshaltung.

Die prägende Gestalt der Wiener Gruppe war H.C. Artmann.

Die prägende Gestalt der Wiener Gruppe war H.C. Artmann.© Foto: apa/Herbert Pfarrhofer Die prägende Gestalt der Wiener Gruppe war H.C. Artmann.© Foto: apa/Herbert Pfarrhofer

Poesie als Lebenshaltung

Artmann schenkte der österreichischen Literatur, nebst unzähliger bedeutender Lyrik und Prosa, den Gedichtband "med ana schwoazzn dintn", eine grandiose Verbindung von Dialekt und Surrealismus. Ihm am nächsten im Aufbrechen der Sprachkonventionen stand der brillante Konrad Bayer, ein mit besonderer poetischer Sensibilität begabter Dichter. Gerhard Rühm, ausgebildeter Komponist, horcht in den Klang des Wortes hinein, auch seine Dialektgedichte scheinen ganz aus dem Klanglichen entstanden zu sein. Der ausgebildete Architekt Friedrich Achleitner versucht, Wort und geometrische Gestaltung in Einklang zu bringen, während beim Kybernetiker Oswald Wiener das Wort selbst auf dem Prüfstandsteht und die Philosophie Ludwig Wittgensteins zur Dichtung wird.

Doch die Dichtung allein machte diese Dichter nicht aus: Ganz bewusst setzte man sich in Szene, nützte Auftreten und Erscheinungsbild für Selbstinszenierungen. Artmanns "Poetischer Akt" wurde zur Maxime des öffentlichen Erscheinungsbildes. Der Suizid Konrad Bayers am 10. Oktober 1964 beendete die Wiener Gruppe. Doch da war die österreichische Literatur längst nachhaltig verändert.

Radiokolleg

A schwoazze Dintn

Die Wiener Gruppe als literarische Boy Group der 1950er Jahre.

Von Montag bis Donnerstag, um 9. 30 Uhr (Wh. 22.40 Uhr)

auf Radio Ö1





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-01-26 14:08:05
Letzte nderung am 2016-01-26 14:11:38



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