• vom 15.02.2016, 16:19 Uhr

Autoren

Update: 15.02.2016, 16:35 Uhr

Sachbuch

Zeichnung mit Grauzone




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Siobhán Geets

  • "Krieg gegen das Kalifat" als Wegweiser durch den Konflikt in Syrien und im Irak.

Die Situation im Nahen Osten wird immer komplexer, die Machtverhältnisse verwobener. Kein Zeitungsartikel über die Region kommt ohne die Nennung des sogenannten Islamischen Staates (IS) aus. Doch wo liegen seine Ursprünge? Und wie konnte er innerhalb weniger Jahre zum Machtfaktor im Nahen Osten werden?

In seinem Buch "Krieg gegen das Kalifat. Der Westen, die Kurden und die Bedrohung ,Islamischer Staat‘" zeigt Außenpolitik-Journalist Wieland Schneider auf, wie es den Dschihadisten des IS gelingen konnte, das Chaos im Irak und in Syrien zu nutzen, um ein "Kalifat" zu errichten. Dabei gelingt es ihm, komplexe Zusammenhänge in eine verständliche, flüssige Sprache zu verpacken. Er zeigt Zusammenhänge auf, die man gerne übersieht, und hat das Potenzial, für Aha-Erlebnisse zu sorgen. Von den Anfängen des damaligen Isis (Islamischer Staat im Irak und Sham) über den Einfluss des syrischen Bürgerkriegs auf den Aufstieg der Dschihadisten bis hin zu deren Großangriff entknotet Schneider die verwobenen Machtverhältnisse im Nahen Osten und stellt die Player um die Vormacht in der Region auf ein dreidimensionales Schachbrett. Er konzentriert sich auf den Irak und Syrien, ohne die Motive der wichtigsten Player Iran, Saudi-Arabien und USA auszulassen.

Gespräche als Herzstück

Das Herzstück des Buches sind Gespräche mit jenen Menschen, die sich den Extremisten entgegenstellen, allen voran die kurdischen Kämpferinnen und Kämpfer. Sie hoffen darauf, dass der Krieg im Nahen Osten die Karten zu ihren Gunsten neu mischen wird - und letztlich auf einen kurdischen Staat. Die unterschiedlichen kurdischen Gruppierungen sind Schneider seit Jahren vertraut. Während zahlreicher Reisen nach Kurdistan gelang es ihm, bis ins Herz der kurdischen Arbeiterpartei PKK vorzudringen. Nicht nur wird der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt zwischen Kurden und türkischem Staat aufgerollt, auch den internen Streitereien wird Platz eingeräumt. Schneider besuchte die Kämpfer der Peschmerga, schlug sich mit der PKK durch die Berge Kurdistans und traf die Opfer des IS im Irak und in Syrien.

So wird deutlich, welche Auswirkungen die Herrschaft der Terrormiliz auf den Alltag der Menschen in den besetzten Gebieten hat. Aber auch, wie gespalten die unterschiedlichen islamistischen Gruppen sind. Wer den Nahen Osten verstehen will, wer wissen will, wie es zum Erstarken des IS kam, sollte Schneider lesen.

Information

Sachbuch
Krieg gegen das Kalifat
Wieland Schneider
Braumüller Verlag, 2015
252 Seiten, 18,99





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-02-15 16:23:05
Letzte ─nderung am 2016-02-15 16:35:57



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Zerbricht der Westen?
  2. Anne Frank und die Generation iPhone
  3. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
Meistkommentiert
  1. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  2. Tumulte bei Höcke-Auftritt
  3. Ein Asyl-Appell

Werbung





Werbung


Werbung