• vom 21.02.2016, 13:00 Uhr

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Von Uwe Schütte

  • Hans-Jürgen Heinrichs interviewt Gerhard Roth.

Dass manche Autoren nicht nur durch ihre Bücher sprechen, sondern auch in Gesprächen bemerkenswerte Dinge zu sagen haben, wissen wir spätestens, seitdem Alexander Kluge oder André Müller die Textsorte "Schriftsteller-Interview" geradezu zu einer Kunstform erhoben haben. Nachzulesen ist das auch in dem "Reise ins Unsagbare" betitelten Interviewband, der Gerhard Roth im Gespräch mit dem deutschen Ethnologen und Literaturkritiker Hans-Jürgen Heinrichs zeigt.



Das Buch ist in überschaubare Kapitel gegliedert, in denen thematische Schwerpunkte, persönliche Obsessionen oder zentrale Werk(abschnitt)e diskutiert werden.

Jene inquisitorische Dimen-
sion, welche die fordernden Interviews von André Müller kennzeichnete, fehlt in dem Band. Heinrichs zeigt sich darin vielmehr als kenntnisreicher Interpret des quantitativ keineswegs unerheblichen Werks von Roth. Schriftsteller und Fragesteller spielen sich, zumeist zum Vorteil des Lesers, die Bälle gegenseitig zu, weshalb auch die Verteilung der Redebeiträge durchaus gleichgewichtig ist.

Am stärksten profitieren von "Reise ins Unsagbare" werden freilich jene Leser, die das Werk von Gerhard Roth in seinen Grundzügen bereits kennen, da es oftmals um sehr tiefgreifende Fragen geht, zu denen der Autor Profundes zu sagen hat. Der Band eignet sich insofern auch ideal als Ergänzung zur Einführung in das Leben und Werk von Roth, die vor zwei Jahren ebenso im Residenz Verlag erschienen ist ("Unterwelten").

So geht es in den Gesprächen mit Hans-Jürgen Heinrichs um zentrale Komplexe wie die Rolle des Wahnsinns als künstlerische Inspiration im Werk von Roth oder die Frage, wie Kunst auf die Gewaltgeschichte der Menschheit reagieren kann bzw. soll.

Man erfährt aber auch viel Aufschlussreiches aus der Schreibwerkstatt des heuer 74 Jahre werdenden Schriftstellers, dessen Doppelzyklus aus "Die Archive des Schweigens" (1980-1991) und "Orkus" (1995-2011) zu den bedeutendsten Erzählwerken der deutschsprachigen Literatur der Gegenwart gehört.

Information

Hans-Jürgen Heinrichs / Gerhard Roth

Reise ins Unsagbare

Hans-Jürgen Heinrichs im Gespräch mit Gerhard Roth. Residenz Verlag, Wien 2015, 192 Seiten, 21,90 Euro.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-02-18 17:44:08
Letzte ─nderung am 2016-02-18 18:01:56



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