• vom 04.03.2016, 16:32 Uhr

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Von Edwin Baumgartner

  • Autor Gerhard Roth erhält den Großen Österreichischen Staatspreis.


© wikipedia/Philipp Horak © wikipedia/Philipp Horak

Wien. Dass der Schriftsteller Gerhard Roth mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Kunst ausgezeichnet wird, ist eine Überraschung, sollte aber keine sein. Roth ist einer jener stillen Autoren - nicht einmal einer von jenen, die ihre Stille marktschreierisch kundtun, sondern einer, der vor allem konzentriert auf sein Schaffen lebt und die Öffentlichkeit nur sucht, wenn er etwas Substantielles zu sagen hat. Dieses Schaffen wiederum gehört zur bedeutendsten Literatur, die heute im deutschsprachigen Raum geschrieben wird.

Nur einmal wurde es laut um den Autor: Als er 1995 im Roman "Der See" beschrieb, wie beinahe ein Attentat auf einen rechtspopulistischen Politiker verübt wird, erkannte die FPÖ in dem Politiker ihren Parteiobmann Jörg Haider. Roth rufe zur Ermordung Haiders auf, war der Tenor der Reaktionen. Doch wer diesen Roman Roths oder seine anderen kennt, hält es eher mit dem Kulturminister Josef Ostermayer, der zur Zuerkennung des Staatspreises sagt, Roth unternehme "eine Abenteuerreise in die menschliche Seele."


Suche in den Abgründen
Ein Autor, dem es um die Sensation geht, war Roth sowieso nie. Am 24. Juni 1942 in Graz geboren, sollte er nach dem Willen seines Vaters Arzt werden. Er brach das Studium ab, arbeitete im Rechenzentrum Graz und gab eine "Einführung in die elektronische Datenverarbeitung" heraus. 1972 machte er mit den Romanen "autobiographie des albert einstein" und "Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs" nachhaltig auf sich aufmerksam.

Roth schrieb Essays, Theaterstücke und Drehbücher, doch seine Kerndisziplin ist der Roman - und sogar der Romanzyklus, wie die siebenteiligen Arbeiten "Orkus" und "Die Archive des Schweigens" eindrucksvoll belegen. Roth geht es in seinen Prosaarbeiten meist darum, etwas Verborgenes offenzulegen. Mitunter nützt er die Raster des Kriminalromans, ohne Kriminalromane im eigentlichen Sinn zu schreiben, wie er auch seine ungewöhnlich präzis beschreibende Prosa wiederholt um Dokumentation und Tatsachenbericht herum baut, wenn er Dunkles aus der österreichischen Geschichte, aber auch aus den Seelen seiner zerquälten Helden ans Licht holt. Damit wird Roth zu einem der großen Wahrheitssucher österreichischen Literatur.




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Dokument erstellt am 2016-03-04 16:38:14



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