• vom 07.03.2016, 20:47 Uhr

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Update: 09.03.2016, 09:50 Uhr

Richard Dawkins

Arbeiter in Darwins Weinberg




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Von Wolfgang Taus

  • Evolutionsbiologe Richard Dawkins, seine Autobiografie und die "Poesie der Naturwissenschaften".

Evolutionsbiologe Dawkins bezieht aus naturwissenschaftlicher Sicht gegen theistische Glaubensvorstellungen Stellung.

Evolutionsbiologe Dawkins bezieht aus naturwissenschaftlicher Sicht gegen theistische Glaubensvorstellungen Stellung.© ap/Akira Suemori Evolutionsbiologe Dawkins bezieht aus naturwissenschaftlicher Sicht gegen theistische Glaubensvorstellungen Stellung.© ap/Akira Suemori

"Charles Darwin ist mein größter Held der Wissenschaft... Die gesamte moderne Biologie ist mehr oder weniger eine Reihe von Fußnoten zu Darwin. Keiner könnte etwas Besseres tun, als seinem Beispiel folgen", so der britische Evolutionsbiologe und fast schon "militante Atheist" - seit seinem 2006 erschienen Bestseller "Der Gotteswahn", Richard Dawkins, in seiner jetzt auf Deutsch erschienen Autobiografie, die aus zwei Teilen besteht - gemäß zweier separaten Bände im englischen Original, die hier ungekürzt in einem Band erscheinen.

Dawkins, Jahrgang 1941, gehört zu jener Gruppe sogenannter neuer Atheisten, die aus der naturwissenschaftlichen Forschung und Beweislage heraus gegen jegliche theistische Glaubensvorstellungen Stellung beziehen.


Grausame Natur und egoistische Gene
Auf der deutschen Website der Richard Dawkins Foundation, wo sich auch der Altmeister immer wieder zu Wort meldet, hält Dawkins in seinem Eintrag vom
17. Februar 2016 mit Genugtuung fest, dass er beim Ansehen der DVD "Life Story" von David Attenborough stetig an seine Botschaften der gefühlslosen "grausamen Natur" oder des "egoistischen Gens" erinnert wird: "Zum Beispiel ist die größte Gefahr für das Buckelwalkalb, dass Männchen sich gewalttätig und konkurrierend mit der Mutter paaren wollen: Warum sollte es sie kümmern, da es unwahrscheinlich ist, dass irgendeiner von ihnen der Vater ist?"

In seinem aktuellen Buch geht es um Dawkins’ eigenes Leben, von seiner Kindheit im kolonialen Afrika über sein Studium in Oxford bis zur Karriere als einer der einflussreichsten Wissenschafter weltweit. Er berichtet von seiner Ankunft im Flower-Power-Kalifornien der 60er Jahre, von der Party zum 42. Geburtstag seines Freundes Douglas Adams, den in Freundschaft geführten Streitgesprächen mit dem Erzbischof von Canterbury, von bahnbrechenden Erkenntnissen in der Evolutionsbiologie und seiner großen Liebe zur Lyrik. In seiner stets von Humor und Witz begleiteten Sprache hält Dawkins, der von 1995 bis 2008 den Lehrstuhl für Public Understanding of Science an der Universität Oxford innehatte, anlässlich seines 70. Geburtstags vor hundert Gästen eine Rede.

Darin zieht er in einem kleinen, amüsanten Gedicht voll von Anspielungen unter anderem auf A. E. Housman (dem Lieblingsdichter seiner Jugend), an das Buch der Psalmen, an die Nationalsportart Cricket und auf Shakespeare, eine persönliche Bilanz seines Lebens und Wirkens. Darin schreibt er, kümmere er sich nicht um alte "heilige Psalmen" und um all die "versicherungstechnische Mystik".

Religiöse Traditionen
und Spott als Waffe

Die Bibel sei für ihn nicht die Heilige Schrift, doch gebe es stichhaltige Gründe dafür, auf die "Bibel als "Literatur" zurückzugreifen. Unsere gesamte Kultur sei so mit ihr verbunden, dass man weder Anspielungen noch die eigene Geschichte verstehen könne, "wenn man biblisch nicht belesen ist", so Dawkins. Allerdings sei er sehr dafür, Kindern "etwas über Religionen" beizubringen. Er habe aber etwas dagegen, Kinder mit den besonderen religiösen Traditionen, in die sie zufällig hineingeboren wurden, zu "indoktrinieren". Satire oder Spott sei eine wirksame Waffe gegen seine Kritiker gewesen. Dennoch hofft er, dass er sich nie zu willkürlichen Beleidigungen hinreißen habe lassen. Auch wenn er schon alt sei, so ist es immer noch "Zeit, ein Licht" (der evolutionsbiologischen Erkenntnisse) anzuzünden, um im Kerzenschein das Dunkel zu erhellen.

Sachbuch

Die Poesie der Naturwissenschaften - Autobiografie

Richard Dawkins

Ullstein, 2016

736 Seiten, 39,10




Schlagwörter

Richard Dawkins

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-03-07 18:59:07
Letzte ─nderung am 2016-03-09 09:50:03



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