• vom 15.04.2016, 21:32 Uhr

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Von Edwin Baumgartner

  • In der ersten Sonderausstellung des Literaturmuseums definieren Autoren ihre Schreibpositionen.

Teresa Präauer kommentiert ihr Schreiben mit einer Zeichnung.

Teresa Präauer kommentiert ihr Schreiben mit einer Zeichnung.© Teresa Präauer Teresa Präauer kommentiert ihr Schreiben mit einer Zeichnung.© Teresa Präauer

Erklärbar ist viel.

Auch die Ausstellung "Bleistift, Heft & Laptop - 10 Positionen aktuellen Schreibens" im Literaturmuseum ist erklärbar. Jede Führung wird das beweisen. Im Katalog erklären die Autoren, was sie darüber denken. Bei Gerhild Steinbuch beispielsweise liest sich das so: "Der Held braucht einen Namen. Wer einen Namen geben kann, der hat schon einen, und wer was zu vergeben hat, der hat nichts zu verschenken. Wer keinen Namen hat, dem ist auch nicht zu helfen. Aber wenn er dann einen hat, dann hilft ihm bestimmt keiner."


"Sie sollen nicht aus dem Zusammenhang gerissen zitieren", hat mir mein erster Chef mit Namen Norbert Tschulik gesagt. Den Namen hat er bereits gehabt. Ich hätte ihn ihm nicht geben können, denn ich hatte den Namen Norbert Tschulik nicht zu verschenken.

Das Zitat - ein Zufallstreffer. Viel ähnlich Relevantes auf 69 Seiten zu 12,90 Euro, grafisch wunderschön gestaltet, bei Jung und Jung erschienen.

Doch das nur nebenbei. Kataloge sind ja Begleiter von Ausstellungen.

Subjektiv ausgewählt
Die Ausstellung selbst? - Die Kuratoren Angelika Reitzer und Wolfgang Straub haben den von ihnen ausgewählten fünf Autorinnen und fünf Autoren keine Vorgaben gemacht. Jeder konnte seine Schreibposition nach eigenem Gusto darstellen. Die Auswahl der Autorinnen und Autoren trafen Reitzer und Straub völlig subjektiv. Das geben sie zu. Kathrin Röggla, Ferdinand Schmatz und Clemens J. Setz sind die bekanntesten Namen. Die anderen, das ist kein Qualitätskriterium, sind eher etwas für Kenner. Neugierig machen - kann eine der Funktionen einer Ausstellung sein. Warum nicht?

Ach ja, die Ausstellung. Da haben wir das Problem, aber vielleicht ist es ein subjektives. Zu wenig Kaffee am Morgen, der bei der Präsentation angebotene zu schwach, zu wenig Beinaheherzinfarktauslöser. Um es klar zu sagen: Ich verstehe die Ausstellung nicht. Ich verstehe den Ausgangspunkt, also dem eigenen Schreiben nachzuspüren. Ich verstehe aber nicht, was die Autorinnen und Autoren daraus gemacht haben - nicht ohne Kommentar. Die Ausstellung erklärt sich nicht selbst. Das ist ihr Kardinalfehler.

Gewiss ist es schwer, wenn nicht an der Grenze der Unmöglichkeit, die eigene Inspiration (huch, Romantikalarm!) oder die eigene Schreibtechnik (bitte nicht abschauen!) optisch begreifbar zu machen. Literatur museal darstellen - wie geht das? Doch das ist sowieso eine grundsätzliche Frage.

Hier, im konkreten Fall, scheinen ein Schlittschuh und ein Kleiderbügel in direktem Zusammenhang mit dem, was Richard Obermayr schreibt, für Birgit Falkner Plastikfisch und Hochhausmodell von Bedeutung sein dürften, während Ferdinand Schmatz in Alphabetwürfeln und leeren Regalen sein Schreiben ausdrückt und Gerhild Steinbuch das Ihre durch Porzellantiere in Einsiedgläsern.

Autorenkunst
Es wird alles seinen tieferen Sinn haben, und wenn man Wörter wie "Assoziation" und Meta-Ebene bemüht, ist sowieso alles drin, und sei es noch so unspezifisch.

Das die persönlich gestalteten Inszenierungen des schriftstellerischen Ichs dabei optisch reizvoll sind, Teresa Präauers überdimensionale Karton-Bleistifte auch bei einer Schau zeitgenössischer Kunst als hintergründig humorige Objekte oder Oliver Grajewskis leere Aktenordner als Installation durchgehen könnten, bleibt unbezweifelt. Nur über das Schreiben selbst, über die Position eines Autors, seine Technik, seine Verfahren, sagt das alles nichts aus. Vielleicht sollte der Titel der Schau das Schreiben weglassen und heißen "10 Autoren machen Kunst"?

Das Literaturmuseum selbst ist übrigens sehr erfolgreich, das konnte Nationalbibliothek-Chefin Johanna Rachinger bilanzieren: 18.400 Besucher nach knapp neun Monaten - die 20.000-Marke wird nach einem Jahr ziemlich sicher überschritten sein.

Da kann man schon auch einmal ein Experiment wagen. Wie diese Ausstellung. Wäre Friedrich Schiller eingeladen gewesen, er hätte die faulen Äpfel aus seiner Schublade ausgestellt.

Ausstellung

Bleistift, Heft & Laptop.

10 Positionen aktuellen Schreibens

Angelika Reitzer und Wolfgang Straub (Kuratoren)

Literaturmuseum

Bis 12. Februar 2017

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-04-15 16:26:09
Letzte Änderung am 2016-04-15 17:08:03



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