• vom 22.05.2016, 19:59 Uhr

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Artus-Sage

Der Falke fliegt




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Von Edwin Baumgartner

  • T. H. Whites "König auf Camelot" lädt ein, den Artus-Sagenkreis mit erfrischten Augen zu lesen.

Walter Crane fängt in seiner Buchillustration die Magie einer Geschichte ein: Artus und Merlin suchen die Dame vom See auf, damit Artus von ihr das Schwert Excalibur erhält.

Walter Crane fängt in seiner Buchillustration die Magie einer Geschichte ein: Artus und Merlin suchen die Dame vom See auf, damit Artus von ihr das Schwert Excalibur erhält.© wikimedia Walter Crane fängt in seiner Buchillustration die Magie einer Geschichte ein: Artus und Merlin suchen die Dame vom See auf, damit Artus von ihr das Schwert Excalibur erhält.© wikimedia

In der großen Halle von Winchester Castle hängt etwas an der Wand, das auf den ersten Blick wie eine Dartscheibe für Riesen aussieht. Schaut man genauer, erkennt man am Kopfende jedes Feldes einen Namen, geschrieben in altertümlicher Schrift, fast nicht zu entziffern. Oben auf der Scheibe findet sich die Darstellung eines Königs. England - König - rund, da war doch was?

Es ist dennoch nicht König Artus’ runder Tisch, oder vielmehr: Sein soll er es schon. Nur stimmt’s halt mit dem Alter vorne und hinten nicht. Was der Besucher in Winchester bestaunt, ist zwar alt, nämlich aus dem 12. Jahrhundert, aber nicht alt genug. Dafür müsste der Tisch aus dem 6. Jahrhundert stammen. Seit 1463 hängt die Tischplatte in der Halle. Die Bemalung ließ später Heinrich VIII. anfertigen.


Die Sage lebt
Dennoch hat der Tisch eine Verbindung zu König Artus, denn im 12. Jahrhundert verfestigte sich allmählich der Mythos. Sollte die Tischplatte als sichtbarer Beweis für die leibliche Existenz eines Königs vorgegeben werden, der sonst nur in Geschichten vorkam?

T. H. White bei einer Lesung aus seinem König-Artus-Zyklus.

T. H. White bei einer Lesung aus seinem König-Artus-Zyklus. T. H. White bei einer Lesung aus seinem König-Artus-Zyklus.

Denn selten nur ist eine Sagengestalt seit Jahrhunderten so lebendig wie König Arthur bei den Briten, außerhalb des englischsprachigen Raums zu Artus latinisiert. Ihm zur Seite steht als Ratgeber und Helfer der Magier Merlin, ebenfalls historisch nicht zu belegen.

Obwohl man da Vorsicht walten lassen muss: Auf irgendeine Weise wird es einen Artus schon gegeben haben und wohl auch Merlin. Er war vielleicht ein Druide, der den römisch-britischen Statthalter Ambrosius Aurelianus unterstützte. Jedenfalls berichtet Geoffrey of Monmouth in seiner Historia Regum Britanniae ("Geschichte der Könige Britanniens") des um 1135 von Artus und Merlin. Mit geschichtlichen Fakten nahm man es in jenen Tagen nicht so genau, Geschichte bedeutete auch Geschichten, und wenn daraus ein Gründungsmythos wurde: umso besser.

Sir Thomas Malory, im 15. Jahrhundert eingesperrt wegen Raubes, Mordes, Wilderei und Vergewaltigung, vertrieb sich die Zeit im Gefängnis, indem er die Artus-Sagen zum Roman "Le Morte d’Arhur" verband. Was heute Artus und Merlin ist, basiert auf Malory.

Zumindest fast alles.

Der bessere Teil basiert auf einem Fantasy-Roman des sehr seltsamen britischen Schriftstellers Terence Hanbury White, meist als T. H. White abgekürzt.

Dieser White war ein Englischlehrer, der sich in seiner Freizeit mit dem Mittelalter befasste und selbst Falknerei betrieb. 1936 schied er aus dem Schuldienst aus, um ausschließlich von der Schriftstellerei zu leben.

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Schlagwörter

Artus-Sage, T.H.White

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-05-22 16:02:11
Letzte ─nderung am 2016-05-22 16:09:09



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