• vom 23.05.2016, 18:55 Uhr

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Sachbuch

Keine falsche Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten




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    (maz) Wenn man den 90. Geburtstag erfolgreich hinter sich gebracht hat, dann weiß man, wovon man spricht, wenn man über das Alter philosophiert. Und so hat Lotte Tobisch, die zu Ostern 90 geworden ist, ihr neues Buch dem Alter und dem Altern gewidmet. Es geht um den Prozess des Älterwerdens - auch um ihren eigenen - und um den Umgang damit, sowohl persönlich als auch gesellschaftlich. Und hier gibt sie durchaus private Einblicke, wenn sie zum Beispiel beschreibt, wie das Unvermögen ihrer eigenen Mutter, mit dem Altern fertig zu werden, ihren eigenen Zugang entscheidend mitgeprägt hat. Oder wenn sie zwischen ihren gesellschaftspolitischen Feststellungen auch immer wieder Erinnerungen aus ihrer eigenen Vergangenheit einstreut.

    Rührende Erinnerungen
    Vergangenheit spielt auch eine große Rolle, denn Tobisch erinnert sich auch an mehrere Künstler und Intellektuelle, die in der Vergangenheit ihr Leben und ihre Karriere geprägt haben. Und die - erraten - in der Regel schon alt waren oder zumindest älter als sie. Da erfährt man nicht nur, wie ihre große Liebe Erhard Buschbeck vom Krebs dahingerafft wurde, sondern auch, welcher Zufall zur platonischen Freundschaft mit Theodor W. Adorno geführt hat. Oder warum Bruno Kreisky einst bei ihr auf dem Teppich gesessen ist (die Erklärung ist denkbar harmlos, aber rührend).


    Und immer wieder flicht sie ihre eigene Meinung zu verschiedenen Themen ein, die sie auch gegen Widerstände wie Political Correctness verteidigt. Da ist zwar nach ihren vielen Interviews wenig Neues dabei, diesmal aber vertieft sie ihre Argumentation und liefert Erläuterungen, die man vielleicht bisher noch nicht gehört hat. Auch wenn es die Emanzen und Berufsjugendlichen sicher nicht freut.

    Lotte Tobisch: Alter ist nichts für Phantasielose

    Aufgezeichnet von Michael Fritthum Amalthea Verlag 2016

    256 Seiten, 24,95 Euro




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    Dokument erstellt am 2016-05-23 18:59:04



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