• vom 30.06.2016, 18:42 Uhr

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Update: 30.06.2016, 21:12 Uhr

Bachmann-Preis

Muskelspiel der Worte




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  • Die österreichische Bewerberin Stefanie Sargnagel las auf den 40. "Tagen der deutschsprachigen Literatur".

Stefanie Sargnagel polarisierte die Jury. - © apa/Gert Eggenberger

Stefanie Sargnagel polarisierte die Jury. © apa/Gert Eggenberger

Klagenfurt. (eb) Die Eröffnungsrede Burkhard Spinnens am Mittwoch-Abend klang über weite Strecken, als sei der deutsche Autor der Verteidiger der Jury des Wettlesens um den Bachmann-Preis. Sachlichkeit sei ihr Markenzeichen, nicht der lustvolle Verriss. Das Ringen um ein Geschmacksurteil würde in ein demokratisches Verfahren münden. Kann man darüber unterschiedlicher Meinung sein, so wird man Spinnen zweifellos zustimmen, wenn er sagt, er wünsche der Veranstaltung "mehr riskante Texte".

Was Risiko bedeutet? Wäre es auch eines, weniger Nabelschau zu halten und wieder mehr zu erzählen? Allein in dieser Frage drückt sich die ganze Misere der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus, die sogenannte hohe Literatur sein will und nicht Unterhaltungsliteratur.


Donnerstag startete das Muskelspiel der Worte, am Sonntag wird über die Preise entschieden. Hat es der erste Lesende besonders schwer? Die ungeliebte Nummer eins hat bei der Auslosung jedenfalls die einzige Österreicherin gezogen, die von Jurorin Sandra Kegel eingeladene Stefanie Sargnagel.

Die Autorin schildert das Gasthaus als "Höhle von Ausgestoßenen" und resümiert schließlich: "Text geschrieben, Eislaufen gewesen, Liebeskummer angehört, eine Vergewaltigte, ein Totschläger, ein Bewusstloser in einer Blutlache. Kein fader Tag, finde ich und bestelle mein nächstes Bier." Die titelgebenden "Penne vom Kika" gibt es später auch noch, um drei Euro, im fast leeren Möbelhaus-Restaurant. "Sie schmecken nach gar nichts, genau wie ich es mag."

Goethe oder Quasseltext?
Wie war das doch gleich mit der Aufforderung zum Risiko? - "Das war eine schöne Eröffnung, etwas heftig für 10 Uhr morgens", meinte der Juryvorsitzende Hubert Winkels, der in dem Text eine Gralssuche ortete: "Nicht ganz neu, aber gut gemacht." Klaus Kastberger freute sich: "Der Text ist einfach gut." Stefan Gmünder zeigte sich "viel zufriedener, als ich gedacht hätte". Und Sandra Kegel stellte den Text gar über Goethe: "Da kann Faust einpacken." Meike Feßmann meinte indessen, einen "recht gefälligen, gewöhnlichen und auch extrem banalen Text" gehört zu haben, der einen "Quasselmodus" bediene und eine zweite Lektüre nicht aushalte. Winkt einer Literatur zwischen Goethe und Quasselmodus der Preis?

Wie steht es um die beiden anderen Texte des Vormittags? "Das alte Lied von Senor Magma" des Deutschen Sascha Macht, das im Universitätsmilieu einer von Dschungel umgebenen Stadt spielt, konnte die Jury nicht begeistern.

Marko Dinić, ein in Salzburg lebender gebürtiger Wiener mit serbischem Pass, beendete die erste Vormittags-Session mit einem "Als nach Milosević das Wasser kam" betitelten Auszug aus einem Roman. Es ist die Erinnerung eines Maturanten an das Nato-Bombardement von Belgrad 1999.

Eindringliche Bilder
Als "unglaublich klar und sehr profiliert", lobte Hubert Winkels den Text. Die "Beschränkung der Erzählperspektive" sei eine Qualität des Textes, meinte Meike Feßmann, die sich "sehr überzeugt" zeigte. Stefan Gmünder war "sehr beeindruckt, wie mit historischen Themen umgegangen wird", Sandra Kegel fand "eindringliche Bilder": "Gehen und Erinnerung werden eng geführt." Auch Juri Steiner gefiel der Text, fand es allerdings ebenso wie Hildegard E. Keller - die auch falsches Pathos ortete - schade, dass der Erzähler am Ende den Bus verpasst.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-06-30 16:05:05
Letzte ńnderung am 2016-06-30 21:12:03



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