• vom 23.09.2016, 18:05 Uhr

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Update: 23.09.2016, 22:13 Uhr

Religion

Er konnte nicht anders




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Von Heiner Boberski

  • Das Jubiläum von Martin Luthers Thesenanschlag wirft seine Schatten - und viele Bücher - voraus.

Martin Luther (1483-1546) von Lucas Cranach, d. Ä.

Martin Luther (1483-1546) von Lucas Cranach, d. Ä.© getty Martin Luther (1483-1546) von Lucas Cranach, d. Ä.© getty

Wien. Anno Domini 1517, 31. Oktober: Der Augustinermönch Martin Luther leitet mit der Veröffentlichung von 95 Thesen die Reformation ein. Die bevorstehende 500. Wiederkehr dieses Tages, den evangelische Christen alljährlich als Reformationsfest begehen, hinterlässt auf dem Buchmarkt bereits deutliche Spuren. Dass Luther seine massive Kritik am Papsttum und an den kirchlichen Praktiken seiner Zeit wirklich selbst ans Tor der Schlosskirche zu Wittenberg in Sachsen-Anhalt geschlagen hat, wie sein Mitstreiter Philipp Melanchthon überlieferte, gelte "heute wieder als glaubwürdig", meint der Historiker Volker Reinhardt in seinem neuen Buch "Luther, der Ketzer" (C.H. Beck).

Andere Autoren halten den Thesenanschlag für eine Legende, wohl aber legte Luther damals die Thesen einem Brief an Erzbischof Albrecht von Mainz bei. Er habe sie auch sicher, so der Journalist Tillmann Bendikowski in seinem neuen Band "Der deutsche Glaubenskrieg" (C. Bertelsmann), "umgehend als Plakat drucken lassen" und damit "zumindest in einem publizistischen Sinn an die ganz große Glocke" gehängt. Martin Luther kommt am 10. November 1483 in Eisleben als Martin Luder zur Welt. 1505 tritt er in Erfurt in den Orden der Augustiner-Eremiten ein. Seine Eindrücke auf einer Romreise (1510/1511), die er ab 1531 polemisch in seinen "Tischreden" ausgestalten wird, lassen ihn zum scharfen Kritiker des Papsttums werden.


Nur durch Christus
Um das Jahr 1515 - der Legende nach durch ein Turmerlebnis in seinem Studierzimmer - festigt sich in ihm die Einsicht, dass nicht gute Werke, sondern nur Christus und der Glaube an Gottes Barmherzigkeit den Menschen beim Jüngsten Gericht rechtfertigen können. Scharf geißelt Luther die Ablass-Praktiken seiner Zeit, denen zufolge man sich durch Geldspenden - insbesondere für den Bau des Petersdoms in Rom - von seinen Sünden freikaufen kann. Am ärgsten treibt es dabei in Deutschland der Prediger Johannes Tetzel, dem der Satz "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt" zugeschrieben wird.

Mit seinen Thesen geht Luther auf Konfrontationskurs mit Rom. Dort leitet man Sanktionen gegen den aufmüpfigen Mönch ein, den jedoch sein Landesherr, Kurfürst Friedrich der Weise, unterstützt. 1521 spitzt sich der Konflikt nach etlichen theologischen Disputen zu. Rom bannt Luther mit der Bulle "Decet Romanum Pontificem" als Ketzer. Luther verteidigt sich auf dem Reichstag zu Worms, wobei - zumindest in ähnlicher Form - der legendäre Satz fällt: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen." Der Rest ist Geschichte. Luther zieht sich unter dem Schutz Friedrichs des Weisen auf die Wartburg zurück und beginnt mit der Übersetzung der Bibel ins Deutsche.

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Schlagwörter

Religion, Reformation, Luther

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-09-23 15:59:09
Letzte ńnderung am 2016-09-23 22:13:19



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