• vom 26.10.2016, 16:02 Uhr

Autoren

Update: 27.10.2016, 10:38 Uhr

Buchpreis

Land der Nebenerwerbsdichter




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christina Böck

  • Es kann gar nicht genug Buchpreise geben, sagt Hauptbücherei-Direktor Christian Jahl.

Christian Jahl bei einer Alpha-Preisgala.

Christian Jahl bei einer Alpha-Preisgala.© Mike Ranz Christian Jahl bei einer Alpha-Preisgala.© Mike Ranz

Wien. Im Herbst ist die Dichte an Literaturpreisen mittlerweile auffallend hoch. Vergangene Woche wurde der Deutsche Buchpreis vergeben, in wenigen Wochen wird der erste Österreichische Buchpreisträger bekannt gegeben. Und heute, Donnerstag, wird der Alpha-Literaturpreis übergeben. Christian Jahl ist als Direktor der Wiener Hauptbücherei Mitglied der Jury und er findet, es kann eigentlich gar nicht genug Buchpreise geben. Nicht nur wegen der Imagepflege, sondern auch aus ganz pragmatischen Gründen: "Ohne Stipendien, ohne Preise ist es für die meisten Schreibenden ökonomisch sehr schwierig. Vielleicht eine Handvoll österreichische Schriftsteller kann beruhigt den nächsten Roman angehen, weil das vorherige Buch genug abgeworfen hat. Der Großteil ist aber auf staatliche oder private Preise angewiesen. Die meisten sind ‚Nebenerwerbsautoren‘, sie sind Lehrer, Übersetzer, schreiben Rezensionen, um das Leben zu finanzieren." Dementsprechend ist auch das Thema Prekariat ein prominentes in vielen eingereichten Texten.

Sponsoren-Probleme
10.000 Euro erhält die Alpha-Preisträgerin und jede Nominierte der Shortlist - Lydia Haider ("Kongregation"), Barbi Markovic ("Superheldinnen"), Katharina Winkler ("Blauschmuck") - bekommt für ihre Lesung bei der Veranstaltung noch einmal 1000 Euro. Ein hübsches Sümmchen, das im konkreten Fall die Casinos Austria bereitstellen. Die nachhaltige Verpflichtung von privaten Unternehmen sei von großer Bedeutung, sagt Jahl, wenn auch diese Unternehmen dann wieder ein Problem mit der Vermittlung ihres Mäzenatentums haben: "Die meisten Medien überlegen sich bei von Unternehmen gesponsorten Preisen, ob sie überhaupt darüber berichten, oder, wenn sie berichten, erwähnen sie das Unternehmen nicht. Das ist wiederum für die Unternehmen ein Problem: Social Responsibility ist die eine Seite, aber die andere ist Marketing und ich würde einmal unterstellen, bei den meisten kulturfördernden Unternehmen ist das kein Selbstzweck."


Die gefühlte Schwemme an Buchpreisen will Jahl also nicht gelten lassen. Wobei der neue Österreichische Buchpreis auch die Initiatoren des Alpha-Buchpreis kurz ins Schwitzen gebracht hat. Denn die Kategorie Debütpreis erinnert dann doch frappant an die Kriterien des von den Büchereien betreuten Preises. Aber nur auf den ersten Blick: "Anders als beim Debütpreis wird bei uns nicht Nachwuchsliteratur prämiert. Bei uns kann das maximal dritte veröffentlichte Buch eingereicht werden, unabhängig vom Alter." Jahl will auch nichts davon hören, dass eine hohe Dichte an Preisen zu einer gewissen Nivellierung führen könnte, weil ja, zugespitzt formuliert, ohnehin jeder schon einen Preis gewinnt, so viele wie es gibt: "Das sehe ich nicht. Es gibt auch trotz der Menge an Auszeichnungen so gut wie nie Überschneidungen auf den Listen. Sogar auf der Debütpreis-Shortlist und unserer ist nur eine einzige Autorin doppelt vertreten, Katharina Winkler."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-26 16:05:14
Letzte ńnderung am 2016-10-27 10:38:05



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. steiermark
  2. "Minenfelder ohne Landkarte"
  3. Philosophisches Lehrgespräch
Meistkommentiert
  1. zeichen?
  2. Tumulte bei Höcke-Auftritt
  3. Ein Asyl-Appell

Werbung





Werbung


Werbung