• vom 27.10.2016, 17:08 Uhr

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Update: 28.10.2016, 11:02 Uhr

Sachbuch

Der protzige Selbstdarsteller




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Von Wolfgang Taus

  • Kurz vor der US-Wahl: ein Überblick über Donald-Trump-(Auto-)Biografien.

Sieht sich vor allem selbst als Sieger: Donald Trump.

Sieht sich vor allem selbst als Sieger: Donald Trump.© ap/Gerald Herbert Sieht sich vor allem selbst als Sieger: Donald Trump.© ap/Gerald Herbert

Je geschmackloser die Angriffe und Rundumschläge des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump im Wahlkampf vor allem gegen die Demokratin Hillary Clinton, aber auch gegen Vertreter der eigenen Partei und die Medien werden, desto mehr fragt sich vor allem Europa, was den mehr als widersprüchlichen, milliardenschweren Tycoon der Immobilien- und Unterhaltungsbranche in die Politik treibt.

"Ich bin in Wahrheit ein echt netter Kerl, glauben Sie mir. Ich bin leidenschaftlich entschlossen, Amerika wieder großartig werden zu lassen", erklärt Trump vollmundig in seiner Autobiografie und hält offensichtlich viel von Rundumschlägen: Die regierenden politischen Eliten in den USA "wissen nicht, wie Regieren gehe"; die Lobbyisten, die im Auftrag ihrer Kunden "ihre Hände in unseren Taschen haben"; die Vertreter der Medien, die "dermaßen ahnungslos" seien, wenn es um Gerechtigkeit gehe, dass sie keinerlei Vorstellung von dem Unterschied zwischen "Fakt" und "Meinung" hätten. Nach dem Bekanntwerden immer neuer Vorwürfe von Frauen, Trump habe sie belästigt, scheint Angriff für den 70-Jährigen die beste Verteidigung zu sein. So schlug er sogar einen Drogentest für Hillary Clinton vor und kündigte an, er wolle im Falle einer Wahlniederlage die Wahl anfechten.


Der Pulitzer-Preisträger Michael D’Antonio zeichnet in seinem aktuellen, tiefgehenden Buch ein mehr als verstörendes Bild jenes Mannes, der sich in jeder Hinsicht "für überlegen" hält. Bei diversen Gelegenheiten hebt denn auch Trump hervor, dass er wegen seiner "genetischen Ausstattung" viele Dinge besser kann als andere, angefangen vom Golfspielen bis zum Geschäftemachen, so D’Antonio. In einem Interview mit dem Autor erklärt Trump: "Ich glaube fest an positives Denken. Doch ich glaube auch sehr fest an die Notwendigkeit, sich gegen Rückschläge abzusichern." Hier zeige sich eine grundlegende Paradoxie, was Trumps Charakter betrifft. Trump sei ein Mann, der sich selbst zum "Sieger" erklärt und dennoch mit Konflikten und Kritik rechnet, die er durch provokante Äußerungen meist auch selbst hervorruft.

Nie verlässt Trump, der fast jede Form von Beachtung als Gewinn für sein Image betrachtet, die "Lust am Streit". Trump hat in seinem hyperaktiven Leben immer wieder allgemein bekannte Tatsachen bestritten und sich dabei hart an den Grenzen des Anstandes bewegt. "Vielleicht ist nichts in der Natur unersättlicher als der Hunger dieses Mannes nach Reichtum, Macht und Ruhm", so der Autor. Für D’Antonio ist Trump ein Mann, der "keine Ideale kennt und der sich außer zu seinem Machtwillen kaum zu etwas verpflichtet fühlt". Er mache sich "rassistischen Hass zunutze, ergehe sich in Frauenfeindlichkeit und ermutige stillschweigend gewalttätiges Verhalten", so D’Antonios Fazit.

Wer mehr über Trumps Werdegang, der auch von finanziellen Schieflagen, undurchsichtigen Steuermodellen sowie privaten Skandalen geprägt ist, wissen möchte, der werfe einen Blick in das aktuelle, flüssig und unterhaltsam geschriebene Trump-Buch der Journalistin Sabine Meyer. Die ganze Welt ist hier Trumps Bühne. Die Idee zu diesem Buch entstand bei einem New-York-Besuch mit ihrer Familie im April 2015. Aus einzelnen Puzzlesteinen fügt sich das zuerst für sie aufregende, aber dann mehr als irritierende Bild jenes Mannes, der mehr will - mehr Macht, mehr Geld, mehr Ansehen.

Immer mehr Ablehnung
Trump spricht mit seinen "rohen, ungehobelten und diskriminierenden" Aussagen jene vorwiegend weißen Bevölkerungsschichten der USA an, die sich benachteiligt fühlen. Aus Trumps Sicht komme Ehrlichkeit aus jener Ecke des Herzens, die auch Beleidigungen hinausschleudert und die Welt in Freund und Feind aufteilt. Ihr Buch soll nicht als Biografie angesehen werden, schreibt Meyer, sondern als eine "Annäherung" an den Exzentriker Trump - zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Trotz Geld und Macht - bleibt am Ende das Bild eines gesteigerten Egos über, dessen Auftreten für immer mehr Ablehnung auch aus der eigenen Partei sorgt.

Sachbuch

Great Again!

Donald J. Trump

Plassen Verlag 2. Auflage 2016, 224 Seiten, 18,50 Euro

Die Wahrheit über Donald Trump

Michael D’Antonio,

Econ 2016, 544 Seiten, 24,70 Euro

Donald Trump - Gier nach Macht und Geld

Sabine Meyer, CBX 2016

224 Seiten, 17,50 Euro




Schlagwörter

Sachbuch, Donald Trump

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-27 17:14:09
Letzte ńnderung am 2016-10-28 11:02:05



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