• vom 10.12.2016, 18:30 Uhr

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Von Mathias Ziegler

  • Bestsellerautor Marc Elsberg widmet sich in "Helix" dem Thema Genmanipulation auf spannende Weise.



Der US-Außenminister stirbt auf der Münchner Sicherheitskonferenz durch ein personalisiertes Virus an Herzversagen. In Tansania tauchen bei einer armen Kleinbäuerin nach einer bisher unbekannten Methode genmanipulierte Maispflanzen auf, die mittels Gene Drive ihre Resistenzen weitergeben. In einem Geheimlabor in den USA werden Kinder mit überdurchschnittlichen körperlichen und geistigen Fähigkeiten gezeugt. In Boston verschwindet eine 15-Jährige MIT-Studentin unter mysteriösen Umständen. Dies alles hängt miteinander zusammen, wie bald klar wird. - Und es stellt in gewissem Sinne die gesamte Menschheit, wie wir sie derzeit kennen, in Frage.

Information

Marc Elsberg
Helix
Roman. Blanvalet, München 2016, 648 Seiten, 23,70 Euro.

Dem österreichischen Erfolgsautor Marc Elsberg ist wieder einmal ein rasanter Gesellschaftsthriller gelungen, der sich diesmal im Bereich der biomedizinischen Science Fiction bewegt. Allerdings sind die Dinge, die er (für Laien gut verständlich) beschreibt, keineswegs so weit weg von der Realität. Denn die Genmanipulationen, die in seinem Roman "Helix" vorkommen, sind vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft tatsächlich möglich - oder wurden sogar schon teilweise vollzogen, wie jüngst bei einem jordanischen Kind, das wegen einer Erbkrankheit die Gene von zwei Müttern bekommen hat.

Nebenbei erläutert Elsberg, wie das heutige Geschäft mit genmanipuliertem Saatgut funktioniert. Zudem widmet er sich dem Thema Geschlechtergerechtigkeit, etwa wenn er eine Frau in einer Führungsposition beschreibt, die permanent das schlechte Gewissen der Familie gegenüber plagt.

Gerade in Bezug auf die genmanipulierten Kinder legt er besonderes Augenmerk auf ethische Aspekte: Dabei gibt es nicht nur Schwarz und Weiß, sondern viele Grauschattierungen - etwa in der Frage, ob superintelligente und hochleistungssportliche Kinder eine Bereicherung oder eine Bedrohung darstellen.

Fraglich ist auch, wie es eigentlich diesen Kindern selbst geht, die unter "Normalos" ja eine Minderheit darstellen. Der Rest ist ein handwerklich professionell gemachter Actionroman, in dem rasante Verfolgungsjagden ebenso ihren Platz haben wie ein bisschen schwarzer Humor. Also ganz so, wie man es von Elsbergs Bestsellern "Blackout" und "Zero" kennt.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-09 13:50:10
Letzte ─nderung am 2016-12-09 14:22:07



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