• vom 29.12.2016, 17:30 Uhr

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Update: 29.12.2016, 19:52 Uhr

Literatur

Fruchtbare Lehrjahre im Tschocherl




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Von Matthias Winterer

  • Stefanie Sargnagel und Voodoo Jürgens bilden die Speerspitze einer neuen Wiener Szene.

Die zwei Wiener Künstler Stefanie Sargnagel und Voodoo Jürgens. - © Matthias Winterer

Die zwei Wiener Künstler Stefanie Sargnagel und Voodoo Jürgens. © Matthias Winterer

Das Beisl als Ort des Geschehens. Stefanie Sargnagel trägt rote Baskenmütze und Burberry-Schal, Voodoo Jürgens Gnackmatten und Goldketterl. Beide trinken Kaffee und rauchen Kette. 2016 war ihr Jahr. Sargnagel gewann den Ingeborg-Bachmann-Publikumspreis. Jürgens war auf Platz eins der österreichischen Album-Charts. Mit der "Wiener Zeitung" lassen sie das vergangene Jahr Revue passieren, sprechen über ihren Erfolg, die fruchtbaren Lehrjahre im Tschocherl und das morbide Klischee der Stadt, das ja eigentlich doch stimmt.

"Wiener Zeitung": Frau Sargnagel, Sie outen sich auf Ihrer Facebook-Seite als Fan von Voodoo Jürgens. Was gefällt Ihnen an seinen Liedern?

Stefanie Sargnagel: Ich find sie musikalisch sehr gut. Und ich finde, dass er gut zuhört. Diese neue österreichische Dialekt-Welle in der Popmusik wirkt oft aufgesetzt. Bei Voodoo Jürgens wirken die Texte aber sehr real. Ich kenn diese Formulierungen von meinem Vater. Ich hab immer sofort ein Bild von den Charakteren vor meinem geistigen Auge.

Herr Jürgens, mögen Sie Frau Sargnagels Texte?

Voodoo Jürgens: Ja, klar. Ich hab ihre Texte schon lange vor ihrem ersten Buch über das Internet verfolgt. Wir kennen uns ja schon ewig. Ich mag ihren Humor. Vor Jahren hab ich sie einmal mit Bukowski verglichen. Mittlerweile werde ich als singende Stefanie Sargnagel beschrieben.

Sargnagel: Ja, es hat mich gefreut, mit deinen Lieder in Verbindung gebracht zu werden.

Sie haben ja auch einiges gemeinsam. Frau Sargnagel, Sie haben zehn Jahre eher unmotiviert Kunst bei Daniel Richter studiert und jetzt den Bachmann-Publikumspreis gewonnen. Herr Jürgens, Sie sind zehn Jahre ohne kommerziellen Erfolg mit der Band "Die Eternias" herumgetingelt und heuer war Ihr Album "Ansa Woar" auf Platz eins der Album-Charts. Haben Sie damit gerechnet, dass der Durchbruch doch noch gelingt?

Sargnagel: Ich wusste immer, dass ich was kann. Aber ich hab nicht damit gerechnet, je davon leben zu können. Ich war nicht sehr optimistisch, was meine Zukunft betrifft. Ich dachte, ich werde mein Leben lang irgendwelche Jobs machen und an der Armutsgrenze herumgrundeln. Aber vielleicht ist das auch ein Grund für den Erfolg. Man nimmt Chancen eher wahr, wenn man finanziell nicht abgesichert ist.

 

Jürgens: Ich hab bis 30 eigentlich meine ganze Energie in die Musik gebuttert. Dann ist die Zeit gekommen, wo ich mir gedacht habe: "Wie lange willst du dir eigentlich noch einreden, dass du von der Musik leben kannst?" Absurderweise hat es genau ab dem Zeitpunkt funktioniert.

Also haben Sie beide im Grunde nicht mehr damit gerechnet, dass es funktioniert?

Sargnagel: Also, "nicht mehr" stimmt nicht, weil ich davor auch nicht damit gerechnet habe. Ich glaube, Kunst ist besser, wenn man sie macht, weil man das Bedürfnis danach hat, kreativ zu sein und nicht, weil man sich Erfolg davon verspricht.

Jürgens: Außerdem war es ja auch in Ordnung, sein Ding für einen kleinen Wiener Kreis zu machen.

Sargnagel: Ja, die Qualität des Publikums ist ja auch am Anfang am besten. Wenn man noch nicht bekannt ist.

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Dokument erstellt am 2016-12-21 15:45:19
Letzte nderung am 2016-12-29 19:52:02



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