• vom 26.12.2016, 16:13 Uhr

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Update: 27.12.2016, 12:29 Uhr

Sachbuch

Die Geschichte von Gehirn und Geist




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  • Die Hirnforschung steht noch immer fast am Anfang.

(WT) Der aufrechte Gang unserer Urahnen hat vor über drei Millionen Jahren die Eröffnung eines größeren Blickfeldes ermöglicht. Für den Homo Sapiens beginnt mit dem ersten "Spiegelerlebnis" ein nicht abschließbarer Prozess der Selbsterkennung. In der Antike setzt das Erforschen nach dem Wesen von Erkenntnis und Wissen ein. Der deutsche Wissenschaftsautor Matthias Eckoldt beginnt hier mit seiner wirklich lesenswerten Reise durch die Zeit von Gehirn und Geist.

Anfangs ist es noch nicht ausgemacht, ob im Kopf wirklich die Gedanken gebildet werden. Ist die Seele unsterblich? Was wird mit den Erfahrungen, die sie im irdischen Dasein gesammelt hat? Oder vergeht sie einfach auch mit dem physischen Körper? Von dem Moment an, wo im 3. Jahrhundert v. Chr. Schädel zu Forschungszwecken geöffnet werden, tritt das Leib-Seele-Problem mit aller Eindringlichkeit in den Vordergrund - bis heute.


Wo genau und auf welche Weise wird der Gedanke materielle Realität? Die Perspektive auf die Welt - und damit auf Gehirn und Geist - unterscheidet sich in der Antike wesentlich von der im Mittelalter, ebenso wie von der Neuzeit. "Menschen wissen im Laufe der Geschichte nicht mehr, nur anders", hält der Autor fest. Eher sind es technische Erfindungen, die einer Zeit ihre spezifische Weltwahrnehmung einflüstern.

Ein Supercomputer
Für die Römer funktionierte das Gehirn wie ihre ausgefeilten Brunnenanlagen. Der Lebensgeist floss durch die "Hirnbehälter", um den Menschen voll funktionsfähig zu halten. René Descartes bricht das fast tausendjährige Schweigen des Mittelalters und zieht für die Erklärung des Gehirns die Mechanik heran. Mit dem Aufkommen der Elektrizität wurde das Gehirn im 19. Jahrhundert wie eine "besseres Telegrafenamt" beschrieben.

Im 20. Jahrhundert wurde das Gehirn wiederum mit einem großen "Chemielaboratorium" verglichen. Im Zeitalter der Kybernetik begreift man das Gehirn als "Supercomputer", in dem Nervenzellen nach logischen Prinzipien arbeiten.

Neuronale Zustände des Gehirns bestimmen wie das Internet als ein Netzwerk, was gedacht, getan und gefühlt werde. Der Terminus "Geist" wird für heutige neurowissenschaftliche Beschreibungen gar nicht mehr benötigt. - All das sind Theoriekonzepte im Wandel der Zeit. Doch trotz aller Fortschritte muss die heutige Hirnforschung eingestehen, dass man streng genommen noch ganz am Anfang stehe.

sachbuch

Eine kurze Geschichte von Gehirn und Geist

Matthias Eckoldt

Pantheon 2016




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-26 16:17:17
Letzte ─nderung am 2016-12-27 12:29:04



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