• vom 28.12.2016, 16:10 Uhr

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"Und ewig zu binden!"




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  • Vor 125 Jahren wurde mit J.R.R. Tolkien der Schöpfer von Mittelerde geboren. Eine schwere Geburt.

John Ronald Reuel Tolkien: Für ihn war Schreiben ein Hobby.

John Ronald Reuel Tolkien: Für ihn war Schreiben ein Hobby.© apa John Ronald Reuel Tolkien: Für ihn war Schreiben ein Hobby.© apa

Oxford. (bau) Er erfand Mordor, die Hobbits, den Balrog und die Elbensprache. Und mit ihm fing das Zeitalter der anspruchsvollen Fantasy-Literatur an: Alles begann, als der Philologie-Professor John Ronald Reuel Tolkien in Oxford eines Tages auf einer Prüfungsarbeit notierte: "In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit ..." Aus diesen Anfängen sollten die Welterfolge "Der Hobbit" und "Der Herr der Ringe" entstehen. Vor 125 Jahren, genau am 3. Jänner 1892, wurde Tolkien geboren.

Der Hobbit Bilbo Beutlin bestand im gleichnamigen Buch dramatische Abenteuer mit Trollen und Kobolden, ehe er den Schatz des Zwergenkönigs heben konnte. "Wenn Sie nicht wollen, dass man sich über Sie lustig macht", riet Tolkien Journalisten, "sagen Sie, dass Sie für Kinder schreiben."


Tolkiens Eltern lebten zunächst in Südafrika: Als sein Vater starb, kehrte die Mutter mit ihren beiden Söhnen nach England zurück. Die Landschaft rund um Birmingham prägte seine Vision von der mythischen Welt Mittelerdes. Seine Mutter brachte ihm Latein, Französisch und Deutsch bei - der Beginn einer lebenslangen Begeisterung für Sprachen. Tolkien war ein Sprachgenie, lernte Babylonisch, Finnisch, Altnordisch und rekonstruierte ausgestorbene Dialekte wie mittelalterliches Walisisch. Mit zwölf verlor er seine Mutter. So war es vielleicht kein Wunder, dass er schon als Jugendlicher anfing, Elbisch, Zwergisch und die Schwarze Sprache der Orks zu erfinden. In einem seiner Briefe schrieb er: "Die Geschichten wurden eher produziert, um eine Welt für die Sprachen zu schaffen als umgekehrt. Für mich kommen Namen zuerst, und die Geschichte folgt."

Tolkien war sanft, blauäugig, leicht pedantisch; der Naturfreund bevorzugte klassischen Tweed, rauchte (wie seine Figuren) Pfeife und fuhr ein altes Fahrrad, bis er sich von seinen Buch-Tantiemen ein Auto leisten konnte. Noch während des Ersten Weltkriegs fing er an, "Das Silmarillion" zu schreiben, die "Bibel" von Mittelerde, die allerdings erst einige Jahre nach seinem Tod veröffentlicht werden sollte. Die Totensümpfe, die Frodo Beutlin in "Herr der Ringe" auf dem Weg nach Mordor durchquerte, und das Schwarze Tor von Mordor erinnern an Nordfrankreich nach der brutalen Schlacht an der Somme, bekannte Tolkien später. Eine Reise nach Interlaken inspirierte Bilbos Weg durchs Elbenland.

"Der Hobbit" kam 1937 heraus (auf Deutsch erst 1957). Der Verlag war begeistert und bat ihn, eine Fortsetzung zu schreiben. Tolkien brauchte für den Fantasy-Schinken "Der Herr der Ringe" erstaunliche 14 Jahre, denn eigentlich war das Schreiben nur ein Hobby. Er behauptete daher, er nutze das Buch lediglich als eine Übung in "linguistischer Ästhetik", mit der er seine Theorie über Märchen illustrieren wollte.

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Dokument erstellt am 2016-12-28 16:14:06



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