• vom 15.01.2017, 16:00 Uhr

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Die Farbe Blau heißt Aufbruch




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Von Oliver vom Hove

  • Der Nicaraguaner Rubén Darío revolutionierte die spanische Dichtung. Am 18. Jänner jährt sich der Geburtstag dieses "Nationalhelden" zum 150. Mal.

Begründer und Zentralfigur des "modernismo": Rubén Darío. - © Collage Irma Tulek/Wiener Zeitung

Begründer und Zentralfigur des "modernismo": Rubén Darío. © Collage Irma Tulek/Wiener Zeitung

Die Weltliteratur ist ein frühes Globalisierungswunder. Nicht erst seit Goethe den Begriff in die schöngeistige Debatte eingeführt hatte, florierte der Austausch von Gesängen, Gedichten, Büchern, Landlibellen über alle Grenzen hinweg.

Auch das Spanische hat viele grenzüberschreitende Anregungen und Einflüsse erfahren. Doch es gibt im Spanischen einen Dichter, der mit seiner Poesie die Sprache so nachhaltig geprägt hat, dass ihm von Europa bis Lateinamerika, von der iberischen Halbinsel bis in die südamerikanischen Anden Achtung und Verehrung entgegengebracht wird. Der Nicaraguaner Rubén Darío wurde Begründer und Zentral-
figur des modernismo, der ersten eigenständigen literarischen Bewegung Lateinamerikas.


Das sensationell Neue daran war neben der hochrangigen Eigenständigkeit von Daríos Poesie deren Innovationskraft: Wie eine Frischzellenkur belebte sie die in akademischen Formen und überständigen Manierismen erstarrte spanische Literaturtradition. Erstmals übernahm ein spanischsprachiger Dichter fern von Europa nicht bloß Anregungen der jungen europäischen Dichtergeneration: hier war es vorwiegend Lyrik und Haltung der französischen Symbolisten um Arthur Rimbaud und Paul Verlaine.

Klang und Rhythmus
Vor allem wirkte erstmals ein außereuropäischer Dichter mit seinem Werk auf den gesamten Schallraum seiner Muttersprache zurück: Rubén Daríos Modernismus machte Schule, vor allem auch unter den jungen Poeten in Spanien. Er setzte auf Klang und Rhythmus statt auf Metrum und Reim. Dadurch lockerte er das
poetologische Korsett der spanischen Lyrik nachhaltig.

Der Dichter Rubén Darío entstammte einem Land, das kaum an die Größe der Schweiz heranreicht, aber von einer unbändigen Erzählfreude geprägt ist, die sich bis in die sprudelnden mündlichen Alltagsgeschichten der einfachen Leute auswirkt. In Nicaragua, so heißt es, drehe man kaum einen Stein um, ohne dass ein
Poet hervorspringe. Unter einer Reihe großer Schriftsteller des kleinen Landes ragt der vor 150 Jahren, am 18. Jänner 1867, im Städtchen Metapa südlich von Matagalpa geborene Rubén Darío heute als Nationalheld hervor. Seine Geburtsstadt trägt denn auch längst seinen Namen: Ciudad
Darío.

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Dokument erstellt am 2017-01-13 15:17:08



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