• vom 30.01.2017, 23:35 Uhr

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Update: 31.01.2017, 16:42 Uhr

Entwicklungspolitik 2030

Entwicklung fängt zuhause an




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  • Experten-Diskussion zu den Nachhaltigkeitszielen der UNO.

Erfolgreiche Entwicklungspolitik muss alle Bürgerinnen gemeinsam umfassen. Dabei handelt es sich nicht um etwas "Externes", das die reichen Länder den armen überstülpen können. Mit diesem Aufruf gegen den herrschenden Mainstream zur Entwicklungspolitik warteten anlässlich der Präsentation der Publikation "Entwicklungspolitik 2030: Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit" zuletzt drei Experten im Rahmen einer Diskussion auf. Konkretes Augenmerk galt dabei den im Jahr 2015 von allen UNO-Mitgliedern beschlossenen 17 "Nachhaltigkeitszielen". Diese Zielsetzung sei vor allem in Österreich, aber auch anderen Industrieländern noch nicht angekommen, hieß es.

Franz Fischler, Präsident des europäischen Forums Alpbach und des Instituts für Höhere Studien, sprach etwa über die Hungerbekämpfung als Ziel und darüber, wie "unsere" Art der Ernährung den Hunger in den armen Ländern mit hervorrufe. Er wies darauf hin, dass die Bekämpfung des Übergewichts bei zwei Milliarden Weltbürgern deutlich mehr Kosten verursacht, als dies die erfolgreiche Bekämpfung des Hungers erfordern würde.


Den "imperialen" Lebensstil der Reichen, der sowohl Bodenschätze als auch Umweltressourcen des Planeten im Übermaß beanspruche und damit neo-koloniale Verhältnisse schaffe, brandmarkte der Politologe Ulrich Brand. Irmgard Kirchner von der Entwicklungszeitung "Südwind" forderte zudem Bewusstseinsbildung hin zu einem "Weltbewusstsein" ein, welches die Auswirkungen unserer Lebens- und Verhaltensweisen auf den Rest der Welt mit berücksichtigen müsse, wenn ein friedliches Miteinander sichergestellt sein solle.

Die drei Experten waren sich einig, dass nur Aufrufe zur Gutwilligkeit nicht genügen, sondern dass die Durchsetzung neuer nachhaltigerer Lebensweisen stark verankerte Eigeninteressen bekämpfen müssen, die äußerst politikmächtig am Status quo festhalten.

Das Buch selbst befasst sich in 15 Kapiteln mit den neuen Rahmenbedingungen zu Finanzierungsmodalitäten, Nachhaltigkeits- und Klimazielen. Inwieweit es in Zukunft möglich sein wird, neue globale Regeln aufzustellen und in ihrer Durchführung verbindlich zu machen, wird nach Ereignissen wie dem Rückzug der USA aus der internationalen Verantwortung oder dem Brexit skeptisch beurteilt. Regional bestimmte Abgrenzungen von Interessensphären, Zersplitterung der Nachkriegsordnung und geringere Schnittmengen gemeinsamer Interessen seien eher wahrscheinlich. Arme und kleine Entwicklungsländer, stark bedroht vom Klimawandel, würden die Erstbetroffenen sein.

sachbuch

Entwicklungspolitik 2030: Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Kurt Bayer, Irene Giner-Reichl

Verlag Manz




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-01-30 16:59:03
Letzte nderung am 2017-01-31 16:42:03



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