• vom 21.02.2017, 16:21 Uhr

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Von Petra Paterno

  • Historische und neue Dimensionen der Theaterdramaturgie.

"Die im Dunkeln sieht man nicht", heißt es bekanntlich bei Bertolt Brecht. Evelyn Deutsch-Schreiner, Professorin an der Grazer Universität für Musik und darstellende Kunst, rückt in ihrer jüngsten Publikation nun jenen Theaterberuf ins Rampenlicht, der üblicherweise im Hintergrund bleibt: die Dramaturgie.

In "Theaterdramaturgien von der Aufklärung bis zur Gegenwart" erkundet die Autorin, die übrigens vor ihrer Universitätslaufbahn als Dramaturgin am Wiener Volkstheater tätig war, Dimensionen dieses Berufsfelds. Zum ersten Mal tauchte der Begriff Dramaturgie in der Antike auf, in Aristoteles "Poetik", einer Anleitung zum Verfassen von Tragödien. Wie sehr dramaturgische Tätigkeiten im Lauf der Zeit das Theatergeschehen beeinflusst haben, beleuchtet Deutsch-Schreiner anhand von zwölf gut gewählten Arbeitsporträts. Beginnend mit Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), der nicht nur als Theaterautor bekannt ist, sondern gemeinhin als erster Dramaturg der Theatergeschichte gilt, werden auf eloquente und elegante Weise interessante Persönlichkeiten vorgestellt. Die Theatergeschichte schenkte ihnen lange kaum Beachtung, obwohl sie immer dann zur Stelle waren, wenn am Theater neue Wege beschritten wurden.


Szenische Erfinder
Für Friedrich Schiller (1759-
1805), so erfährt man etwa, schien Dramaturg ein Traumberuf gewesen zu sein. An der Seite von Goethe wirkte er an der Weimarer Theaterreform und verfasste nicht nur eigene Dramen, sondern viele bedeutende Stückbearbeitungen.

Als ersten sogenannten "Stadttheater-Dramaturgen" weist Deutsch-Schreiner Joseph Schreyvogel (1768-1832) aus, der am Wiener Hoftheater (dem heutigen Burgtheater) dramaturgische Arbeitsfelder bearbeitete, auf kongeniale Weise mit der strengen Theaterzensur rang, Grillparzer als Dramatiker entdeckte und förderte. Ausführlich beschreibt Deutsch-Schreiner, wie sich das Berufsbild unter Bertolt Brecht veränderte, welche unrühmliche Rolle Dramaturgen während der NS-Zeit spielten und wie es in den Nachkriegsjahren weiterging.

Mit Dieter Sturm, Hermann Beil, Stefanie Carp und Nadine Jessen analysiert die Autorin, wie sehr sich das Anforderungsprofil im Gegenwartstheater verändert hat und wie stark sich Dramaturgen heute in szenische Erfindungen einbringen. Ein unverzichtbares Nachschlagewerk.

sachbuch

Theaterdramaturgien

von der Aufklärung bis

zur Gegenwart

Von Evelyn Deutsch-Schreiner

Böhlau Verlag, Wien u. a: 2016,

351 Seiten, 24,99 Euro.




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Dokument erstellt am 2017-02-21 16:27:09



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