• vom 30.05.2017, 15:57 Uhr

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Update: 30.05.2017, 16:18 Uhr

Nostalgie

Das Gefühl von damals




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Von Julia Wagner

  • Ob "Dirty Dancing", Boybands oder Britpop - Matthias Kalle beschreibt in seinem Buch "Als wir für immer jung waren" prägende Erinnerungen an unsere Jugend und was sie heute noch mit uns zu tun haben.

"Wahnsinnig langweiliger Quatsch", den alle sehen mussten: "Dirty Dancing".

"Wahnsinnig langweiliger Quatsch", den alle sehen mussten: "Dirty Dancing".© Imago/Zumapress "Wahnsinnig langweiliger Quatsch", den alle sehen mussten: "Dirty Dancing".© Imago/Zumapress

"Wiener Zeitung": Wenn man Ihr Buch liest, fühlt man sich ganz schön alt. Kommt man unweigerlich irgendwann in das Alter, in dem man nostalgisch zurückblickt?

Matthias Kalle: Vielleicht, aber mir geht es in dem Buch um das kollektive Erinnern. Wir sind nämlich nicht so verschieden, wie wir gerne glauben wollen. Dem konnte ich nur Masse entgegensetzen. Irgendwann hatte ich 200 Erinnerungen auf meiner Liste, am Ende sind 87 in dem Buch gelandet, von "Dirty Dancing" über den ersten Kuss bis zu Boybands. Das sind alles Dinge, die uns geprägt haben, auch wenn wir sie unterschiedlich erlebt haben. Das Schöne ist ja, dass man das Gefühl hat, man ist nicht alleine. Ob man in Österreich oder in der westdeutschen Provinz aufgewachsen ist, ist dabei egal. Ich beschreibe ja auch nicht meine Erinnerungen, sondern unsere.



Was ist das große Missverständnis an "Dirty Dancing"?


Niemand fand diesen Film gut. Es war aber ein ungeschriebenes Gesetz, dass, wenn du mit jemandem gehen willst, du mit demjenigen in diesen Film gehen musst. Ich war sehr verliebt in Simone und wir Jungs haben überlegt, was ich tun könnte, damit das erfolgreich wird. Irgendeiner sagt dann, "Geh doch mit ihr in ,Dirty Dancing‘." Dann saß man da und hat sich diesen wahnsinnig langweiligen Quatsch angeguckt, den Mädchen eigentlich auch nicht sehen wollten. Passiert ist danach nichts. Ich glaube, der Film ist ein ebenso großes Missverständnis wie "Titanic". Man dachte, wenn man sich den ansieht, dann passiert was Tolles. Das stimmte nur nie.

Jennifer Grey war damals schuld daran, dass Mädchen schulterlanges Haar mit Dauerwelle wollten . . .

Für uns Jungs war in dieser Hinsicht "Miami Vice" entscheidend. Da hatte man das erste Mal eine Ahnung davon, wie cool man als Mann aussehen könnte. Don Johnson trug T-Shirt unterm Sakko, so eines mit Knopfleiste, Espadrilles und immer Sonnenbrille. Deswegen musste man mit zwölf unbedingt eine Sonnenbrille haben. Bei mir in der westdeutschen Provinz gab es natürlich weit und breit keinen Friseur, der dir die Haare so wie Don Johnson schneiden konnte. Ich habe immer hart mit meiner Mutter verhandelt, dass ich "Miami Vice" sehen durfte, das lief ja um Viertel vor zehn. Ich dachte, mein Leben ergibt keinen Sinn, wenn ich das nicht sehen darf.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-30 15:59:09
Letzte nderung am 2017-05-30 16:18:37



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