• vom 27.06.2017, 12:31 Uhr

Autoren

Update: 27.06.2017, 12:37 Uhr

Geburtstag

Britischer Dramatiker Tom Stoppard wird 80




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, dpa, Uli Hesse

  • Der Autor von "Rosenkrantz und Güldenstern sind tot" erhielt auch den Drehbuch-Oscar für "Shakespeare in Love".

Geboren wurde Stoppard als Tomas Straussler im mährischen Zlin in der heutigen Tschechischen Republik. - © APAweb/AFP/Getty Images, Jason Kempin

Geboren wurde Stoppard als Tomas Straussler im mährischen Zlin in der heutigen Tschechischen Republik. © APAweb/AFP/Getty Images, Jason Kempin

London. Als junger Mann sah er Mick Jagger ähnlich: voller, ungezähmter Schopf, fleischige Lippen, Vorliebe für fließende Mäntel. Doch schon 1977 urteilte der "New Yorker" über Tom Stoppard: "Niemand würde Stoppard jemals Sklave seiner Leidenschaft nennen oder sich vorstellen, dass ihn romantische Besessenheit vom Kurs abbringen würde." Am 3. Juli wird der Autor und Meister der intellektuellen Komödie 80.

Früher verkroch sich Stoppard ins Hotel, um durchzuschreiben, mit Zimmerservice rund um die Uhr, überquellendem Aschenbecher und Füllfederhalter. Das vermisse er, gestand er dem "Telegraph": "Heutzutage kann ich nicht mehr in Hotels arbeiten, weil ich beim Arbeiten rauche."

Geboren wurde Stoppard als Tomas Straussler im mährischen Zlin in der heutigen Tschechischen Republik. Der Vater arbeitete als Arzt im Betriebskrankenhaus des Schuhkonzerns Bata. Der Inhaber rettete all seine jüdischen Angestellten, indem er sie kurz vor der deutschen Besetzung 1939 in Zweigstellen auf der ganzen Welt versetzte. Stoppards Familie gelangte nach Singapur, später nach Indien. Viele seiner Verwandten - das erfuhr er erst Jahrzehnte später - wurden in Konzentrationslagern umgebracht. Als sein Vater starb, heiratete seine Mutter einen englischen Offizier.

Mit 17 verließ Stoppard die Schule und arbeitete als Lokaljournalist in Bristol. "Ich wartete nur darauf, dass sie eine Teekanne nach mir warfen oder die Polizei riefen", beschrieb er dem "Telegraph" seine Furcht vor Interviews. Nebenher schrieb er Dramen; sein erstes Bühnenstück wurde 1964 als "Der Spleen des George Riley" in Hamburg uraufgeführt.

Ein Stipendium ermöglichte es ihm, in Berlin die erste Version seines erfolgreichsten Bühnenstücks "Rosenkrantz und Güldenstern sind tot" zu schreiben: eine absurde Tragikomödie um zwei Nebenfiguren aus Shakespeares "Hamlet". Es wird bis heute gespielt: Daniel Radcliffe ("Harry Potter") stand im Frühjahr 2017 im Old Vic als Rosencrantz auf der Bühne.

Stoppard schrieb Dutzende von Theaterstücken, als letztes "The Hard Problem" (2015), und Hörspiele fürs Radio - etwa "Darkside" (2013), das auf Pink Floyds "Dark Side of the Moon" basiert. Er übersetzte Arthur Schnitzler und Vaclav Havel ins Englische und wird immer wieder von Hollywood angeheuert, um Drehbüchern den letzten Schliff zu geben - darunter Tim Burtons "Sleepy Hollow" und "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug". Regisseur Steven Spielberg verriet 2005 der Zeitschrift Empire, dass Stoppard "für fast jede Dialogzeile" verantwortlich gewesen sei. 1999 erhielt er zusammen mit Marc Norman den Oscar für das Drehbuch "Shakespeare in Love" mit Gwyneth Paltrow.

2014 heiratete Stoppard in dritter Ehe überraschend Sabrina Guinness, eine der Erbinnen der irischen Brauerei-Familie. Sie wurde in den 1970er Jahren für ihre Beziehungen mit Prinz Charles, Mick Jagger und David Bowie bekannt. Als sich ihre zwanzigjährige Freundschaft in Romantik verwandelte, versuchte er, sie davon abzubringen: "Mein Refrain war: 'Du willst wirklich niemanden wie mich' - weil ich sehr antisozial bin", sagte er dem "Telegraph".

Auch mit fast achtzig ist er noch bei Theaterproben dabei und verbessert sein eigenes Skript: "Jahre sind vergangen, man hat andere Vorstellungen davon, was humorvoll ist, dein Geschmack ändert sich", sagte er dem "Guardian" im Februar über die Proben zu "Travesties" mit Tom Hollander. "Ich denke, die Schauspieler mögen die Idee, dass du nur für sie kleine Dinge machst, die vorher noch nie gemacht wurden."

Das alles hält ihn davon ab, sich aufs Schreiben zu konzentrieren. "Als ich jünger war, konnte ich etwas Sinnvolles tun, wenn ich nur einen halben Tag Zeit hatte", sagte er der "Times". "Jetzt brauche ich fünf Tage, um die Welt hinter mir zu lassen, und zwei Wochen, während derer ich mit niemandem spreche, um alles in meinem Kopf zu halten." Und seine Verpflichtungen werden nicht weniger: Gerade wurde er als Gastprofessor für zeitgenössisches Theater nach Oxford berufen.





Schlagwörter

Geburtstag, Tom Stoppard

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-27 12:36:09
Letzte ─nderung am 2017-06-27 12:37:02



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Die Orgie wird kalt!"
  2. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  3. Tumulte bei Höcke-Auftritt
Meistkommentiert
  1. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  2. Tumulte bei Höcke-Auftritt
  3. Ein Asyl-Appell

Werbung





Werbung


Werbung