• vom 08.07.2017, 15:30 Uhr

Autoren


Literatur

Schmerzhafte Spurensuche




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Peter Mohr

  • Annette Mingels’ autobiografisch grundierter Roman "Was alles war".



In ihrem Roman "Was alles war" schickt Annette Mingels eine Mittvierzigerin auf schmerzhafte familiäre Spurensuche. Dabei schreitet die 46-jährige Autorin behutsam autobiografisches Terrain ab: über die Begegnung von Adoptivkindern mit ihren leiblichen Eltern. Vor dieser emotionalen Bewährungsprobe steht auch die Protagonistin Susanna Berner, die (wie die Autorin selbst) bei liebevollen Adoptiveltern aufwuchs, eine gute Ausbildung genoss und als Biologin arbeitet. Mit dem verwitweten Sprachwissenschafter Henryk und dessen Töchtern hat sie sich ein kleines Patchworkfamilien-Idyll eingerichtet, und das Paar erwartet das erste gemeinsame Kind.

Plötzlich gerät dieser funktionierende Mikrokosmos aus den Fugen - durch das Auftauchen von Susannas leiblicher Mutter, die das ausschweifende Leben liebt, ihre insgesamt vier Kinder zur Adoption frei gegeben hat und den Werte-Kanon der Tochter erschüttert.


Über allem thront die quälende Frage, ob die Sozialisation oder die Gene prägenderen Einfluss auf die Entwicklung eines Menschen haben. Mingels inszeniert eine schmerzhafte Suchbewegung, und doch haben wir ein ganz großes Sehnsuchtsbuch gelesen: Ruhe, das kleine Glück - das würde Susanna schon reichen.

Annette Mingels

Was alles war

Roman. Knaus Verlag, München 2017, 287 Seiten, 19,90 Euro.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-07 14:36:06



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Minenfelder ohne Landkarte"
  2. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  3. Tradition und Moderne
Meistkommentiert
  1. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  2. Tumulte bei Höcke-Auftritt
  3. Ein Asyl-Appell

Werbung





Werbung


Werbung