• vom 07.07.2017, 16:13 Uhr

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Bachmannpreis

Endspurt beim Wettlesen




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  • Schmalz und Wray gelten als Favoriten beim diesjährigen Bachmannpreis.

"Gammelige Erhabenheit": Autor Ferdinand Schmalz.

"Gammelige Erhabenheit": Autor Ferdinand Schmalz.© apa/ H. Punz "Gammelige Erhabenheit": Autor Ferdinand Schmalz.© apa/ H. Punz

Klagenfurt. Ferdinand Schmalz brachte Freitag mit seinem Text kalte Luft ins heiße Klagenfurt. Der 32-Jährige sorgte dafür, dass die 41. Tage der deutschsprachigen Literatur neben dem Austro-Amerikaner John Wray, der Tags zuvor die Jury begeistert hatte, nun einen zweiten Favoriten haben. Der bisher vor allem als Dramatiker bekannte Steirer beeindruckte mit einer fulminanten Lesung. Im Zentrum seines Textes "mein lieblingstier heißt winter" steht ein Herr Schlicht, seines Zeichens "klimawandelleugner" und Zusteller von tiefgekühltem Fertigessen.

Jurorin Hildegard Keller lobte: "Herr Schmalz kann glänzend Figuren erschaffen." Sandra Kegel sah "eine Schauergeschichte" mit "gammeliger Erhabenheit". Klaus Kastberger sah einen "perfekten Text". Einzig Michael Wiederstein zeigte sich durch "überbordendes literarisches Kalauern" irritiert.


Texte mit Eigensinn
Nach dem Auftritt von Schmalz ging das Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis im ORF-Theater mit Barbi Markovic weiter. Die seit 2006 in Wien wohnhafte Serbin hatte mit dem Roman "Superheldinnen" im Vorjahr bereits einen Erfolg gelandet. Ihren Text "Die Mieter" eröffnete die Autorin mit einem Coup: "Gerhard entdeckte die Leichen seiner Mieter am Donnerstag." Im Verlauf des Textes zeigt die Wohnung ein mörderisches Eigenleben. Die Jury fand interessante Aspekte, zeigte sich aber nicht vollständig überzeugt. Kastberger warf sich für die Autorin vehement in die Bresche und ortete bei den Jury-Kollegen "Blindheit der Interpretation".

Das Vormittags-Trio wurde von der Wiener Medienkünstlerin Verena Dürr komplettiert. Sie beschäftigt sich in ihrem Text "Memorabilia" mit dem "anderen Klavier" aus "Casablanca", auf dem in der "Pariser Flashbackszene" der berühmte Song "As Time Goes By" gespielt wird. Einige Juroren konnte Dürr überzeugen. Hubert Winkels fand es "grandios, wie der Text es schafft, so tonlos zu erzählen": "Es ist reine Konzeptkunst". Hildegard Keller fand den Text "ganz außerordentlich eigen. Er hat eine eigene Stimme" und sei "äußerst raffiniert gemacht". Klaus Kastberger lobte "einfache Mittel und einfache Strategie", und Stefan Gmünder sah "einen sehr eleganten, sehr schönen Text". Eine entschiedene Gegnerin war Meike Feßmann. Der Text arrangiert das Setting, füge diesem aber nichts hinzu: "Er hat keine eigene Stimme und keinen Eigensinn."

Nach der Mittagspause beschlossen Jackie Thomae und Jörg-Uwe Albig den zweiten Wettbewerbstag. Insgesamt nehmen 14 Teilnehmer aus sechs Nationen beim viertägigen Wettlesen teil. Am Sonntag werden von den sieben Juroren die Preise vergeben.

Live-Übertragung auf 3sat Live-Streaming: bachmannpreis.orf.at/stories/ondemand

Info: bachmannpreis.orf.at




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Dokument erstellt am 2017-07-07 16:18:05



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