• vom 15.07.2017, 17:00 Uhr

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Thriller

Umweltkrimi in eisigen Gefilden




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Von Gunther Neumann

  • "Die Stille der Gletscher": Ulrike Schmitzers faktenreicher Thriller über eine Verschwörung von Wasserdieben.



Eine Fotografin im Auftrag einer Umweltorganisation vergleicht zur Dokumentation der Eisschmelze eigene Bilder mit Aufnahmen von Pionieren der Gletscherfotografie. Während Skigebiet-Manager die letzten Eisfelder erschließen, kommt die Ich-Erzählerin einer Verschwörung auf die Spur, die sie nicht nur in gleißende Höhen, sondern rasch auch in die Finsternis von Höhlensystemen und in moralische Niederungen führt: In Erwartung künftigen Wassermangels wollen Wirtschaftskriminelle die Ressource im großen Stil für ihren persönlichen Gewinn anzapfen.

Information

Ulrike Schmitzer
Die Stille der Gletscher
Roman, Edition Atelier, Wien 2017, 144 Seiten, 18,- Euro.

Wir sind schuldbewusste Träumer unseres eigenen Untergangs, meinte einmal die Literaturwissenschafterin Eva Horn. Autoren sind oft Seismographen. Der Klimawandel ist ein aktuelles Narrativ. Das scheinbar ewige Eis bietet sich als Sinnbild des Erhabenen, Reinen an, und gleichzeitig als Projektionsfläche des Gefährdeten.

Apokalypse-Angst zu schüren hatte Ulrike Schmitzer in ihrem flüssig geschriebenem Band offenkundig nicht im Sinn: "Die Stille der Gletscher" ist ein Umweltkrimi zwischen Österreich und Island, mit dem fundiert recherchierten Hintergrund eines Sachbuches. Dabei kommen sowohl die Wissenschaft - "schmutziges Geld für saubere Forschung" - als auch "internationale Umwelt-NGOs mit tollem Mediennetzwerk" nicht ohne Kritik weg: "Der Geschäftsführer meint, dass mit Gletscherbildern derzeit mehr Geld zu machen ist als mit aussterbenden Nashörnern."

Die Figur der Ich-Erzählerin bleibt diskret. Ihr jeweiliger Gesprächspartner "soll sich auf die Fakten konzentrieren und nicht auf mich".

Wollte man an dem Buch etwas kritisieren, dann vielleicht, dass die Geschichte ein bisschen faktenlastig ausformuliert ist. Viele Wissenschafts-Verweise im Text gehen über einen Roman hinaus, auch historische Gletscherfotos, das Nachwort des Meteorologen Michael Staudinger sowie das von "Ablation" und "Albedo" bis "ZAMG" reichende Glossar. Ulrike Schmitzer dürfte ihrem Gespür vertrauen: in sprachlicher Knappheit ist sie am besten.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-14 14:03:06
Letzte ─nderung am 2017-07-14 14:28:21



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