• vom 15.07.2017, 14:00 Uhr

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Wirrnisse des Erwachsenwerdens




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Von Irene Prugger

  • "Das Licht und die Geräusche": Romandebüt des Filmregisseurs Jan Schomburg.



Jan Schomburg ist ein erfolgreicher deutscher Filmregisseur und Drehbuchautor. Und so liest sich auch sein erster Roman "Das Licht und die Geräusche" wie die Vorlage für einen Film: mit einer sympathischen Hauptfigur, dialogstarken Szenen und vielen Ortswechseln, inklusive eines Trips nach Island, wo sich viele stimmungsvolle Film-Sequenzen ergeben können. Aber Schomburg braucht nicht unbedingt eine Filmkamera, um den Charakteren seiner Protagonisten nahe zu kommen, er kann sie auch mit literarischen Mitteln sehr gut beschreiben und dabei Stimmung erzeugen.

Information

Jan Schomburg
Das Licht und die Geräusche
Roman. Dtv, München 2017, 256 Seiten, 20,- Euro.

Als Thema des Buches hat er sich die schwierige Phase von Jugendlichen gewählt, die sich erste Rollenbilder als Erwachsene zurechtlegen, die also Suchende und Versuchende sind und dabei auch in Versuchung geführt werden, diese Rollenbilder zu überzeichnen. Sie neigen dazu, ihre eigenen Stärken und Schwächen überzubewerten und pendeln zwischen übermütiger Lebenslust und Todessehnsucht.

Einigermaßen gefestigt und reif ist die Ich-Erzählerin Johanna, aus deren Blickwinkel die Episoden aus ihrem Umfeld - Schule, Elternhaus, Freizeit - erzählt werden. Schomburg gelingt es, ihren jugendlichen Tonfall durchzuhalten und glaubwürdig mit literarischer Qualität zu verbinden. Das Chaos der Empfindungen unterstreicht er durch die zeitweilige Durchbrechung der chronologischen Reihenfolge. Doch die Zeitsprünge sind stets so gut nachvollziehbar, dass sie nie den Lesefluss hemmen.

Stellenweise freilich werden die Tücken der Ich-Erzählung deutlich, da scheint dem Autor seine Hauptfigur zu entgleiten, was man aber damit legitimieren kann, dass Johanna selber nicht ganz bei sich ist, schließlich erlebt sie ein höchst kompliziertes Gefühlschaos: Marcel, in den sie verliebt ist, "geht" mit Ana-Clara aus Barcelona. Aber so glücklich kann die Beziehung nicht sein, denn Marcel setzt sich nach Island ab und schreibt Johanna einen alarmierenden Abschiedsbrief. Johanna und Ana-Clara machen sich gemeinsam auf die Suche nach ihm, und Johanna entdeckt plötzlich, was Marcel an Ana-Clara so anziehend gefunden hat. Aus einer derart verwirrenden Dreiecksgeschichte literarisch eine runde Sache zu machen, ist eine große Herausforderung, und manchmal findet Johanna (bzw. der Autor) doch nicht ganz die richtigen Worte, um den Umständen gerecht zu werden. So gelten die Wirrnisse des Erwachsenwerdens vermutlich auch für Schomburg als Schriftsteller: Er hat ein starkes, aussagekräftiges und literarisch hochwertiges Debüt vorgelegt, das aber auch ihn selbst auf sympathische Art als Suchenden zeigt. Sein Buch wird Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen gefallen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-14 14:09:05
Letzte ─nderung am 2017-07-14 14:31:56



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