• vom 08.08.2017, 05:26 Uhr

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Felix Salten

Aus der Feder des "Rehsodomiten": Bambi wird 75




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Von Viktoria Klimpfinger




    Das wohl prominenteste Rehkitz der Geschichte gehört mittlerweile zum alten Eisen. Vor stolzen 75 Jahren hat Bambi zum ersten Mal die Kino-Leinwände erblickt. Die düstere Erzählung über die Erlebnisse des Halbwaisen-Rehleins stammt ursprünglich aus der Feder des österreichischen Autors Felix Salten, der sie mit dem trockenen Untertitel versah: "Eine Lebensgeschichte aus dem Walde" (1923).

    Doch unschuldige Tiergeschichten wie "Bambi" oder "Die Jugend des Eichhörnchens Perri" waren nicht sein einziges Genre. Als Verfasser des wahrscheinlich derbsten Erotikromans der deutschen Literatur fällt es eher schwer, Salten als Kinderbuchautor zu bezeichnen: "Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne" (1906) lässt heutige Skandal-Wälzer wie "50 Shades of Grey" wie biedermeierliches Geturtel aussehen. Die Lebensgeschichte der Wiener Prostituierten spart nicht an Bildern, die die Kraft hätten, ganze Generationen zu verstören.


    Wer nicht glauben will, dass demselben Geist zugleich rührige Kindergeschichten und bedenkliche pornografische Ergüsse entstammen, der sei beruhigt: Sogar dem Autor selbst war sein Werk wohl etwas zu gewagt, um sich dazu zu bekennen. Daher kann man über seine Identität bis heute eigentlich nur munkeln. Indizien und Berichte von Zeitzeugen sprechen aber durchaus für Salten: Als Bambi 1923 erschien, stand er bei Karl Kraus fortan als "Rehsodomit" auf der Schaufel.




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    Dokument erstellt am 2017-08-07 17:30:06



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