• vom 01.12.2017, 18:30 Uhr

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Update: 01.12.2017, 18:44 Uhr

Literatur

"Ohne Polen kollabiert London"




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Von Christina Böck

  • Der britische Autor Hanif Kureishi über irreale Ideen vom Brexit, und muslimisch-jüdische Parallelen.

Über Tinder sagt der Autor Hanif Kureishi: "Ich bin zu alt dafür. Meine Kinder benutzen das, die sind in den 20ern. Keine Ahnung, was zur Hölle sie da tun. Es ist großartig, aber mir erscheint es auch ein bisschen leer" - © Michael Hetzmannseder

Über Tinder sagt der Autor Hanif Kureishi: "Ich bin zu alt dafür. Meine Kinder benutzen das, die sind in den 20ern. Keine Ahnung, was zur Hölle sie da tun. Es ist großartig, aber mir erscheint es auch ein bisschen leer" © Michael Hetzmannseder

Mit seinem autobiografischen Roman "Der Buddha aus der Vorstadt" etablierte sich Hanif Kureishi 1991 als eine der wichtigsten anglo-asiatischen Stimmen der Literatur. Der Sohn eines pakistanischen Vaters und einer britischen Mutter schrieb auch die Vorlage zum Film "Mein wunderbarer Waschsalon" (mit Daniel Day-Lewis), sein aktueller Roman "The Nothing" ist noch nicht auf Deutsch übersetzt und handelt von einem alten Filmemacher, der von seinem Krankenlager aus zuhört, wie ihn seine junge Frau betrügt, woraufhin er Rachepläne schmiedet. Diese Woche war Kureishi in Wien, nicht nur, um sich "alle Klimts" anzusehen, sondern auch, um bei den Erich-Fried-Tagen - und mit der "Wiener Zeitung" - mit seinem sehr speziellen Humor über Liebe und auch ein bisschen Hass zu sprechen.

"Wiener Zeitung": Was ist der Reiz daran, über Liebe zu schreiben?

Hanif Kureishi: Die Liebe hat sich verändert. In den 50ern, 60ern, als ich ein Kind war, haben Menschen noch geheiratet und meistens sind sie auch verheiratet geblieben. Und die Menschen hielten die Ehe für eine Hölle, in der die Liebe starb. Ehe war eine Art Tod. Man war mit jemandem gefangen, konnte nie mehr Sex mit jemandem anderen haben, dann hatte man Kinder und eine Hypothek. Seit den 80ern hat sich die ganze Idee von Liebe verändert. Kürzlich hat ein Freund von mir, der 75 Jahre alt ist, seine Frau verlassen und sich mit seiner neuen Freundin ein Haus gekauft. Mit 75 ist er schon recht alt dafür, eine neue Ehe zu beginnen. Aber die Menschen leben ja auch länger, also ändert sich auch deswegen das Konzept der Ehe. Man trennt sich viel schneller, es passiert einem ganz schnell, dass man im Stich gelassen und verlassen wird. Das ist schockierend.

Machen wir es uns also zu einfach in Liebesdingen?

Nein, es ist sogar schwieriger, weil du musst die ganze Zeit interessant für die andere Person sein. Du musst aufregend und unterhaltsam bleiben, sonst heißt es, wow, ist der fad, ich muss wen Neuen auf Tinder suchen. Der Druck ist ja viel größer, eine Ehe lebendig zu halten.

Wie stehen Sie zu Partner-Such-Methoden wie Tinder?

Ich bin zu alt dafür. Meine Kinder benutzen das, die sind in den 20ern. Keine Ahnung, was zur Hölle sie da tun. Es ist großartig, aber mir erscheint es auch ein bisschen leer. Sexualität hat ihre Faszination und ihr Geheimnis verloren. In den 50er, 60er Jahren, vor allem in der Vorstadt, wo ich aufgewachsen bin, war Sex eine wirklich große Sache, heute kommt es mir so maschinell vor.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-12-01 16:50:09
Letzte Änderung am 2017-12-01 18:44:13



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