• vom 26.12.2017, 16:18 Uhr

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Update: 16.01.2018, 09:38 Uhr

Sachbuch

Die Schere zwischen Arm und Reich




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  • Per Molander analysiert das Menschheitsthema Ungleichheit.

(ski) "In allen wesentlichen Punkten ist die Geschichte der Menschheit eine Geschichte der Ungleichheit." Diesem Satz im neuen Buch "Die Anatomie der Ungleichheit" des schwedischen Mathematikers Per Molander wird kaum jemand widersprechen. Im Grunde macht Ungleichheit die Welt erst interessant. Was Molander interessiert, ist das heutige Ausmaß an ökonomischer Ungleichheit, das sich durch unterschiedliche Fähigkeiten und Arbeitsleistungen der Menschen auch nicht annähernd erklären lasse. Denn die 85 reichsten Personen der Erde besitzen genauso viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, gut 3,5 Milliarden Menschen.

Am Exempel eines Murmelspiels, bei dem ein Spieler, der mit 50 Murmeln beginnt, einem anderen, der nur fünf Murmeln hat, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sein Spielkapital abknöpfen wird, erläutert Molander, dass nur bestimmte Spielregeln oder außergewöhnliche Geschicklichkeit des Ärmeren verhindern können, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter aufgeht.


Moderne Studien stellen die Einkommensverteilung in einem Land mit dem Gini-Koeffizienten dar, der bei völlig gleicher Verteilung 0, bei Konzentration des Vermögens auf eine Person 1 betragen würde. Dieser Koeffizient variiert zwischen 0,2 in der Slowakei und 0,74 in Namibia, weltweit beträgt er 0,5. Nimmt man China und Indien aus, so hat die Ungleichheit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zugenommen.

Per Molander, der als anerkannter Experte für Verteilungsfragen gilt, analysiert historische und moderne Theorien zu seiner Thematik, liberale, sozialdemokratische und konservative, darunter auch religiöse.

Beim Christentum erweist er sich dabei als nicht ganz firm, wenn er vom "Evangelium des Paulus" (Paulus war keiner der vier Evangelisten) schreibt. Aus Sicht Molanders ist nicht eine einzelne Maßnahme, sondern ein ganzes Maßnahmenspektrum erforderlich, um die Ungleichheit auf einem gesellschaftlich akzeptablen Niveau zu halten. Ohne eine aktive Verteilungspolitik bewege sich "eine Gesellschaft ebenso unweigerlich auf die Ungleichheitsgrenze zu wie ein Stein, den man loslässt, zu Boden fällt".

Sachbuch

Die Anatomie der Ungleichheit. Per Molander

Westend, 224 Seiten, 24,70 Euro




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-26 16:23:03
Letzte Änderung am 2018-01-16 09:38:03



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