

Der revolutionären Stimmung der 60er lieferte Ellison - diesmal als Herausgeber - eine seinem Genre gerechte Entsprechung. 1967 erschien die von ihm zusammengestellte Short-Story-Sammlung "Dangerous Visions", die Anthologie einer neuen Generation von Sci-Fi-Autoren, von denen die meisten unter dem Label "New Wave" zusammengefasst wurden. Plötzlich hielten die Themen Sex, Drogen, religiöser Fanatismus, Rassismus und Umweltverschmutzung Einzug in die vormals heile Welt der Raumfahrer, Außerirdischen und Planetenforscher. "Bringt euere Mägen aufs Papier", hatte Ellisons Vorgabe für die Autoren gelautet. Zahlreiche Verfasser der in "Dangerous Visions" versammelten Geschichten sollten zu Genre-Stars aufsteigen: Norman Spinrad, Roger Zelasny, Edward Bryant, Philip K. Dick, Ursula Le Guin.
James Cameron ist kein Fan
Harlan Ellison indes hatte seine Stellung nicht nur als ernst zu nehmender Autor, sondern auch als Visionär zementiert und verbrachte die nächsten Jahrzehnte außer mit Schreiben mit dem Halten von Vorträgen an Universitäten. Als Kolumnist der "Los Angeles Free Press" betätigte er sich zudem als Kulturkritiker (seine gesammelten Essays erschienen später als "The Glass Teat"). Neben einem kontinuierlichen Output machte der streitbare Atheist aber vor allem durch Gerichtsprozesse von sich reden. 1997 verklagte er James Cameron, weil der "Terminator"-Regisseur aus einer alten, von Ellison erfundenen "Outer Limits"-Folge die Idee eines Rächers geklaut hatte, der aus der Zukunft in die Vergangenheit zurückkehrt - und bekam Recht, weshalb er seitdem in den Credits aller "Terminator"-Sequels und -Spinoffs als Miterfinder gewürdigt wird (zum Missfallen Camerons, der Ellison "einen kleinen Parasiten" nannte). Gegen den Internetprovider America Online (AOL) strengte er 2000 eine Musterklage an, weil die Firma seiner Meinung nach das Werkzeug für den Gratisvertrieb von Copyright-geschützten Werken stellte. Auch diesen Prozess, der den unermüdlichen Kämpfer für das geistige Eigentum beinahe in den Bankrott getrieben hätte, gewann er. Sein Hass aufs Internet im Allgemeinen lässt sich an seiner offiziellen Website ablesen, die aus dem Paleozoikum der Webgeschichte zu stammen scheint. Bis heute schreibt Harlan Ellison seine Geschichten auf einer alten Olympia-Schreibmaschine.
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