• vom 22.12.2011, 14:41 Uhr

Autoren

Update: 22.12.2011, 16:33 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Zerrbilder bei Christopher Marlowe, William Shakespeare, Oscar Wilde und Agatha Christie

Der verschwiegene Antisemitismus



William Shakespeare bediente auch antisemitische Vorurteile: "Shylock und Jessica" (1922) nach Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" von Charles Frederick Lowcock.

William Shakespeare bediente auch antisemitische Vorurteile: "Shylock und Jessica" (1922) nach Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" von Charles Frederick Lowcock.© Wikimedia/Hampel William Shakespeare bediente auch antisemitische Vorurteile: "Shylock und Jessica" (1922) nach Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" von Charles Frederick Lowcock.© Wikimedia/Hampel

Doch der Antisemitismus in der englischen Literatur bleibt nicht am Beginn des 20. Jahrhunderts stehen. Selbst Krimi-Königin Agatha Christie bedient sich antisemitischer Vorurteile, wenn sie in "Thirteen at Table" ("Dreizehn bei Tisch") das Mordopfer Carlotta Adams als geldgierige Jüdin darstellt, die an ihrer Ermordung selbst schuld ist. Die deutsche Übersetzung lag bezeichnenderweise bereits 1934 vor.

Apropos Agatha Christie: Ihr Roman "Ten Little Niggers" erschien lange - korrekt übersetzt - als "Zehn kleine Negerlein". Auch hier schlug jüngst die politische Korrektheit der Übersetzer zu, die aus dem originalen Kinderlied-Titel "Und dann gab es keine mehr" machte. Die Seltsamkeit besteht in der Behauptung des Verlags, man wäre zum "Originaltitel" zurückgekehrt. In Wahrheit hat man sich nicht des Originaltitels bedient, sondern des Titels der US-Ausgabe, der aufgrund des Respekts vor den afroamerikanischen Bevölkerungsteilen auf "And Then There Were None" geändert worden war.

Weshalb eindeutig antisemitische Texte nach wie vor zum Standardrepertoire der britischen Literatur gehören und keineswegs heftige Diskussionen auslösen, ist indessen schnell erklärt: Die Meinungsfreiheit gilt in Großbritannien als so hohes Gut, dass sie selbst dann respektiert wird, wenn die Meinung vom Grundkonsens abweicht. Und gegen einen NS-freundlichen "Historiker" wie David Irving, der in Großbritannien ungehindert publizieren kann, ist selbst Dickens’ Fagin nur ein harmloser Fehltritt in den Augen einer erst rund 100 Jahre später eingeführten politischen Korrektheit. Es wäre schön, wenn auch Übersetzer dies bedächten.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-12-22 14:47:06
Letzte Änderung am 2011-12-22 16:33:10


Französischer Text wurde aus Sprechblase entfernt

Flämischer Politiker wütet gegen Comic

Schuiten - Zeichnung: François Schuiten, Collage: WZ Online Der Sprachenstreit zwischen Flamen und Wallonen in Belgien wird von Politikern jetzt auch auf Comics übertragen. Auf Veranlassung eines flämischen... weiter




Von Disney bis Underground

"Gratis-Comic-Tag" am 11. Mai

20130510Die Simpsons - Der Film - APAweb/dpa Berlin. Beim Gratis-Comic-Tag werden am Samstag (11. Mai) in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 300.000 kostenlose Hefte verteilt... weiter



Werbung



Buch des Monats

Ihr wunderbarer Friseursalon

friseursalon - © Wiener Zeitung / Christa Hager Dass Weißheit nicht im Kopf, sondern auf dem Kopf beginnt, diese Erfahrung ist das Erfolgsgeheimnis des Friseursalons von Frau Khumalo... weiter




Februar 2013

Der Friedhof vor Europas Toren

CAP ANAMUR - APA / EPA/FRANCO LANNINO Wenn Bücher über menschenrechtliche Missstände nach zehn Jahren nach wie vor aktuell sind, dann wirft das kein gutes Licht auf die Wirklichkeit... weiter



Beliebte Inhalte



Geschafft: Goldtor-Schütze Arjen Robben triumphiert. - APAweb / EPA / Andy Rain
  • Robben-Tor in der vorletzten Minute entschied hochklassiges Finale.
  • weiter

Der Papst wünscht eine Renaissance des Begriffs "Solidarität". - APAPweb/Alessandra Tarantino)
  • Franziskus: Solidarität muss wieder staatsbürgerliche Tugend werden.
  • weiter

Dortmunds Robert Lewandowski und Bayerns Dante rittern in Wembley um den Ball. - APAweb / AP / Alastair Grant
  • Bayern gegen Dortmund, live aus dem Twitter-Stadion.
  • weiter

Drei Tage nach dem Mord an einem Soldaten in London hat ein Unbekannter in Paris einen französischen Armeeangehörigen mit dem Messer zu töten versucht...weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter




LitCologne

Goetz-Zitate in Köln

lit.cologne - lit.cologne Dass es keine Lesung wie so viele andere bei der 13. LitCologne werden würde, stand bei Rainald Goetz von vorne herein fest... weiter




Litblog

Der Preis des Schriftstellers

20121205_klier - Privatarchiv Klier Der Tiroler Autor, Maler und langjährige Mitarbeiter der "Wiener Zeitung" Walter Klier (57) wurde heuer mit dem Otto-Grünmandl-Literaturpreis (5... weiter




Literaturfestival "Sprachsalz" in Hall in Tirol

Bergmuseum für Beatniks

Pointierte Sprachspielerin: die Schweizerin Daniela Dill. - sprachsalz Von Loriot stammt der Satz, dass ein Leben ohne Mops zwar grundsätzlich vorstellbar, aber völlig sinnlos sei. An diese Weisheit hält sich auch das... weiter





Werbung