
Dem Erfinder des "Gonzo"-Journalismus verdankt Mohr seinen ersten Job als Übersetzer. Als der deutsche "Spiegel" ein Porträt Thompsons veröffentlicht, weilt Mohr gerade in dessen Anwesen in Woody Creek, Colorado; der wortgewaltige wie schießwütige Journalist bittet Mohr, es zu übersetzen. Am Küchentisch überträgt Mohr den Text ins Englische. "Nachdem ich nie eine professionelle Übersetzerausbildung genossen habe, war das eine ganz schöne Herausforderung. Aber es war auch so was wie meine Art, etwas zurückzugeben. An Berlin, für die wunderbare Zeit, die ich dort verbracht habe." Für seine erste "richtige" Übertragung vom Deutschen - die des Romans "Guantanamo" von Dorothea Dieckmann - wird er 2007 mit dem renommierten Three Percent Award für die beste Übersetzung ausgezeichnet.
Ein Jahr später übersetzt Mohr ein Buch, das weltweit zu den meistverkauften der Gegenwart zählt. Nachdem die Ergüsse der Ex-Viva-Moderatorin Charlotte Roche sämtliche deutschsprachige Bestsellerlisten erobert hatten, werden auch angelsächsische Verlage auf die "Feuchtgebiete" aufmerksam. Zunächst erhält Mohr vom Verlag den Auftrag, sich die Sache näher anzuschauen - und kommt zum Ergebnis, dass als Übersetzer Roches nur einer in Frage käme: er selbst.
Spezialfall "Feuchtgebiete"
"Die ,Feuchtgebiete waren eine dankbare Aufgabe", erzählt Mohr, "in jeder Hinsicht. Es war mir wichtig, das Thema weibliche Sexualität, so wie sie es verarbeitet hat - Stichwort Hygienekult und Sterilität -, hierzulande etwa repräsentiert durch ,Sex and the City", nach Amerika zu bringen.
Während es Roche in Großbritannien ebenfalls zum Bestseller schaffte, hielten sich die Verkaufzahlen in den USA in Grenzen. Eine Debatte loszutreten schafften die "Wetlands" aber auch dort, nachdem ihr die "New York Times" eine ganze Seite eingeräumt hatte. Inzwischen übersetzt er auch den Nachfolger "Schoßgebete": "Ich habe es bisher noch nicht geschafft, einen Titel zu finden, der gut auf Englisch klingt", sagt Mohr und grinst.
Neben seiner Arbeit für Literaten und Superstars aus anderen Feldern gibt Mohr dennoch ab und an seinem Drang nach, "etwas von Grund auf zu entwickeln, aufzubauen und zu einem nachhaltigen Erfolg zu machen." Da wäre zum Beispiel sein 2013 erscheinendes Buch über die Geschichte der Punkrockszene in der DDR, mit deren Protagonisten er in Berlin in Kontakt kam. Eine Herzensangelegenheit, "weil diese Geschichte erzählt werden muss." Sein Wille, neue Pfade zu betreten, sei auch der Grund gewesen, warum er sich des Buchs des Autors dieser Zeilen angenommen habe. Die englischsprachige Edition von "Hier ist Berlin" wird im März erscheinen.
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