• vom 06.01.2016, 17:06 Uhr

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Dame spielen mit dem Besenstiel




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Auf der Spurensuche nach dem Leben der Eltern in italienischen Flüchtlingsbaracken.

Auf der Spurensuche nach dem Leben der Eltern in italienischen Flüchtlingsbaracken.© Reprodukt Auf der Spurensuche nach dem Leben der Eltern in italienischen Flüchtlingsbaracken.© Reprodukt

Am Ende eines jeden Kapitels stehen die sehr aufgeräumten Fotografien Caterina Sansones, die menschenleere Orte zeigen. Gegenübergestellt sind ihnen die Schwarz-Weiß-Aufnahmen von früher, und sie sind voller Leben: Elena mit ihrer Schulklasse, Guerrino in seiner Backstube oder verwegen mit Schiebermütze, die ganze Familie beim Picknick. Die Menschen lachen. Von den Entbehrungen des Exils lassen wir uns nicht unterkriegen, so spricht es aus ihren hoffnungsvollen Blicken.

Streng eingeklebt wie in einem alten Fotoalbum sind all diese Fotos inszeniert, pro Seite immer bloß eins, mit viel weißem Rand drumherum. Als Kontrast dazu hat Alessandro Tota seine Comiclayouts um so vielfältiger gestaltet. Oft verzichtet er auf Panelgrenzen, lässt Szenen ineinanderlaufen oder arrangiert sein Personal frei im Raum - eine anspruchsvolle Aufgabe, die er souverän meistert. Dafür kann er Hände und überhaupt Proportionen nicht so gut, und das Gesicht seiner Freundin zeichnet er auch immer wieder anders.

Schwache Dialoge
Denn das ist noch so ein Stilmittel: Caterina Sansone und Alessandro Tota treten andauernd selbst in "Palatschinken" auf, immer wieder sehen wir sie beim Planen der nächsten Schritte oder beim Bewältigen der kleinen und großen Probleme ihrer Reise - von wütenden Nonnen über bankrotte Fluggesellschaften bis zu Sansones Nikotinsucht ist alles mit dabei. Diese Szenen sollen die vermeintlich schwere Thematik mit Selbstironie auflockern. Was an sich eine gute Idee ist - nur wird sie leider vollkommen überstrapaziert. Das Ergebnis ist oft nur Bauerntheater mit schwachen Dialogen: "Aha! Erwischt!" - "Huch!" - "Du rauchst!" - "Lass mich in Ruhe, ich bin nervös . . ." - "Du brauchst wohl deinen ‚Schuss‘, was?! Junkie!" So redet halt niemand.

Das ist schade, denn lieber hätte man noch mehr über das Leben von Caterina Sansones Mutter und Großeltern erfahren. Doch Tota und Sansone wollen zu viel auf einmal, und so gibt es hinten dann noch ein Palatschinken-Rezept als Dreingabe. Das immerhin klingt ziemlich schmackhaft.

Caterina Sansone, Alessandro Tota: "Palatschinken - Die Geschichte eines Exils" (Reprodukt)

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Dokument erstellt am 2016-01-06 17:11:05



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