• vom 22.09.2010, 19:10 Uhr

Literatur

Update: 24.09.2010, 12:50 Uhr

Sachbuch

Eder / Kobenter / Plener (Hg.): Seitenweise - Was das Buch ist




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Von Edwin Baumgartner

  • Das Buch über das Buch
  • In der "edition atelier" sind Überlegungen zum Thema Buch erschienen.
  • Ein Buch zu allen Aspekten des Buchs.
  • Von Schriftsetzern, Druckern, Autoren und Bibliomanen.
  • Nicht alles Papier, das zwischen zwei mehr oder minder steife Deckel geklebt wird, verdient es, ein "Buch" genannt zu werden. Doch was ist ein Buch eigentlich?

Bücher gab es schon vor Gutenberg, aber seit der Erfindung des Buchdrucks sind sie ein fixer Bestandteil der Kultur. Die ersten Schritte zum gedruckten Buch waren freilich mühsame Arbeit. Foto: wikipedia

Bücher gab es schon vor Gutenberg, aber seit der Erfindung des Buchdrucks sind sie ein fixer Bestandteil der Kultur. Die ersten Schritte zum gedruckten Buch waren freilich mühsame Arbeit. Foto: wikipedia Bücher gab es schon vor Gutenberg, aber seit der Erfindung des Buchdrucks sind sie ein fixer Bestandteil der Kultur. Die ersten Schritte zum gedruckten Buch waren freilich mühsame Arbeit. Foto: wikipedia

Die Essay-Sammlung "Seitenweise - Was das Buch ist" befasst sich nicht mit der Geschichte des Buchs. Eher ist es eine Philosophie des Buchs. Und eine teilweise sehr amüsante obendrein. Da geht es einerseits um das rein Handwerkliche, also um den Schriftsatz und den Druck, was heute so oft verwechselt wird. Doch der Schriftsetzer ist nun einmal kein Drucker. Dabei wäre die Unterscheidung ganz einfach: Der Drucker druckt, was der Schriftsetzer liefert. Was, nebenbei bemerkt, den Druckfehler eigentlich zu einem Schriftsatzfehler macht.


Bücher sind seit der Antike Wissensspeicher. Und sie sind, ebenfalls seit der Antike, auch Waffen. Einer der Unterlegenen ist etwa ein gewisser Lucius Domitius Ahenobarbus, der als Nero Kaiser Roms wurde. Der antike Historiker Tacitus verbreitet in seinen Büchern die Bestialitäten Neros, und bis zum heutigen Tag gilt der Kaiser als Inkarnation von Ausschweifung, Grausamkeit und Wahnsinn. Allerdings war Tacitus ein politischer Gegner Neros, dem er die Volksnähe und die Abneigung, Kriege zu führen, zum Vorwurf machte. Den Kampf gegen das Buch hat Nero jedenfalls bis in alle Zeiten verloren.

Bücher sind aber auch Reisen. Reisen in konkrete Gefilde und Reisen in die Gefilde der Fantasie. Es gibt auch Bücher, die Lebensretter sind. Diese Rolle spielte ein spanisch-deutsches Wörterbuch, das der österreichische Dichter

H. C. Artmann bei sich trug, als er 1941 an der Front kämpfte. Es lenkte eine russische Kugel ab, die für den Dichter tödlich gewesen wäre. Artmann kam mit einer Verwundung davon.

Objekte der Begierde

Bücher als Anreiz für Verbrechen? - Auch das gibt es: Johann Georg Tinius (1764-1846) verfiel der Bibliomanie, er sammelte und sammelte. Rund 60.000 Bücher soll er gehortet haben. Um das Geld für den Ankauf immer weiterer Bücher aufzubringen, beging Tinius Räubereien und zwei Morde. Allerdings beruhte der Prozess ausschließlich auf Indizien. Und jüngst ist ein - ja, ein Buch erschienen, dessen Autor Detlef Opitz an dem Fall Tinius schwere Bedenken anmeldet.

Wenn Büchern in Buchhandlungen Bücherberge bilden, wird dann der Leser zum Bergsteiger - zum Bücherbergsteiger? Das ist durchaus möglich. Denn das Anblättern und die Lektüre oft nur eines Satzes hat schon manchem auf den Gipfel von Genuss oder Erkenntnis geführt.

Aber über allem steht das Papier: Bedrucktes Papier hat die Qualität des Angreifbaren, es hat die Qualität des Besitzbaren. Die Buchstaben auf einem Bildschirm, die kann man nicht wirklich besitzen. Das Papier in der Hand ist da schon etwas anderes. Man kann das Wissen berühren, die Schönheit umblättern, das Abenteuer zurückblätternd wiederholen. Tag für Tag. Und Buch für Buch.
Thomas Eder, Samo Kobenter und Peter Plener (Hg.): Seitenweise - Was das Buch ist. edition atelier, 478 Seiten, 29,90 Euro.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-09-22 19:10:00
Letzte Änderung am 2010-09-24 12:50:00



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