• vom 31.03.2010, 17:01 Uhr

Literatur

Update: 03.04.2012, 16:49 Uhr

Sachbuch

Hörhan, Gerald: Investment Punk




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Von Christian Ortner

  • Abgezockt im Hamsterrad
  • Investmentbanker sagt dem Mittelstand, was er falsch macht.
  • Es wird höchst unklug konsumiert und investiert.
  • Lassen wir unseren - der Öffentlichkeit bisher völlig unbekannten - Autor sich einmal kurz selbst vorstellen: "Ich tue all die Dinge, von denen die meisten von euch nicht einmal zugeben, dass sie von ihnen träumen. Ich wohne an den feinsten Adressen von Frankfurt und Wien, besitze Luxusautos mit insgesamt mehr als tausend PS, esse in den besten Restaurants, tanze in den angesagtesten Clubs und treffe die schönsten Frauen der Welt. Ich bin 34 Jahre alt und gehöre zu den Leuten, die ihr Finanzjongleure nennt."

Laufräder - dieses dient einer gesunden Wirbelsäule - signalisieren Unfreiheit. Foto: dpa

Laufräder - dieses dient einer gesunden Wirbelsäule - signalisieren Unfreiheit. Foto: dpa Laufräder - dieses dient einer gesunden Wirbelsäule - signalisieren Unfreiheit. Foto: dpa

Wenn ein Buch gleich auf der ersten Seite so breitbeinig und großkotzig daherkommt (um im weiteren Verlauf noch breitbeiniger und großkotziger zu werden), ist man normalerweise gut beraten, es flugs zur Seite zu legen und sich erbaulicherer Lektüre zu widmen. Was freilich im vorliegenden Fall ein Fehler wäre, denn "Investment Punk" des jungen Wiener Investmentbankers Gerald Hörhan ist ebenso lesenswert, wie die Tonlage des nicht gerade von übermäßigen Selbstzweifeln geplagten Autors ("Warum ihr schuftet und wir reich werden") gewöhnungsbedürftig ist.

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Hörhan vertritt einen simplen, klaren Standpunkt: "Ein sicherer Angestelltenjob, ein Eigenheim auf Pump, ein Leasingauto und ein bisschen an der Börse spekulieren: Wer in diesem Hamsterrad strampelt, der wird immer nur abgezockt". Er lässt nicht den geringsten Zweifel daran, dass er für ziemlich grenzdebil hält, was für die meisten Österreicher höchst erstrebenswert oder zumindest die normalste Sache der Welt ist: sich soweit zu verschulden, wie das die Bank zulässt, um sich damit die üblichen Statusausweise der Mittelschicht leisten zu können und zur Bedienung dieser finanziellen Last ein braves Angestelltenleben zu führen.

Wer so lebt, verspielt letztlich seine Freiheit

"Visionen, Träume und große Pläne könnt ihr euch dann nicht mehr leisten. Ihr könnt kein Risiko mehr eingehen, ihr könnt nichts mehr wagen und auch nichts mehr gewinnen.. ." Wer so lebt, verspielt letztlich seine Freiheit, argumentiert er: "Am Anfang hieß es Sklavendienst. Danach nannte man es Frondienst. Jetzt heißt es Schuldendienst. Sklavendienst funktionierte mit Ketten. Frondienst mit Abhängigkeit. Schuldendienst funktioniert durch mangelnde ökonomische Bildung."

Zu diesem Mangel an wirtschaftlichem Wissen gesellt sich in Hörhans plausibler Diagnose meist noch akuter Herdentrieb, um das finanzielle Desaster perfekt zu machen: "Ihr erkennt Unsinn nicht als Unsinn, wenn ihn alle machen."

Zum Beispiel, alle paar Jahre ein neues Auto zu kaufen: "Man kann Geld nicht schneller verbrennen als durch den Kauf eines Neuwagens." Denn schon am Weg vom Händler nach Hause verliert ein neues Auto bis zu einem Drittel seines Wertes, eines der schlechtesten Geschäfte, die man machen kann. Ökonomisch klüger ist, Autos stets gebraucht zu kaufen: "Bei korrekter Berechnung ist es günstiger, einen Mercedes 300 Cabrio aus den 1980er-Jahren als einen neuen Golf zu fahren. Die Wertverfallskurve ist negativ, der Wagen wird bei guter Behandlung immer mehr statt weniger wert, während ein neuer Kompaktwagen binnen drei Jahren die Hälfte seines Wertes verliert."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2010-03-31 17:01:56
Letzte Änderung am 2012-04-03 16:49:49


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