• vom 31.08.2007, 12:58 Uhr

Literatur

Update: 01.09.2007, 13:17 Uhr

Kindskopf und Kasuar

Glavinic, Thomas: Das bin doch ich




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Von Gerald Schmickl

  • In "Das bin doch ich" nimmt Thomas Glavinic sich selbst und den Literaturbetrieb aufs Korn.

Diesmal hat es geklappt. Der neue Roman von Thomas Glavinic, "Das bin doch ich", ist auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis gelandet, also unter jenen zwanzig Büchern, aus denen schließlich, im Rahmen der Frankfurter Buchmesse, der heurige Preisträger gekürt werden wird. Mit seinem im Vorjahr erschienenen Roman, "Die Arbeit der Nacht", war Glavinic dies nicht gelungen. Und das hat ihn geärgert. ( Siehe dazu auch das Interview auf Seite 15 der "Wiener Zeitung" ) Davon handelt - unter anderem - "Das bin doch ich". Denn Glavinic rechnete fest damit, zumindest in die Longlist aufgenommen zu werden. Und sein Freund Daniel Kehlmann bestärkte ihn darin, erweckte in ihm sogar Hoffnungen auf den Preis. Aber daraus wurde bekanntlich nichts. (Zur Erinnerung: Katharina Hacker bekam ihn für den Roman "Die Habenichtse".)

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Aber das neue Buch von Thomas Glavinic handelt nicht nur vom Buchpreis, sondern in erster Linie - von ihm selbst. Nun ist es zwar immer ein wenig gefährlich, von einem Roman-Ich umweglos auf ein Erzähler-Ich zu schließen, aber in diesem Fall kann man es ruhig wagen - und braucht dazu nicht einmal den Titel als Beleg heranzuziehen (der in seiner scheinbaren Entschiedenheit ja wohl auch gerne das Gegenteil suggerieren möchte, aber das gehört zum literarischen Spiel mit Identitäten, wie es etwa Philip Roth so meisterhaft beherrscht).

Thomas Glavinic nennt sich in "Das bin doch ich" nicht nur selbst beim Namen, sondern auch fast alle anderen Protagonisten - lediglich der Name eines ORF-Redakteurs ist geringfügig, aber höchst kenntlich verändert worden. Da Glavinic nun einmal Schriftsteller ist, kommen in dem Buch naturgemäß auch viele andere Schriftsteller vor, aber auch Journalisten, Verleger, Veranstalter (besonders die vom Wiener Rabenhof-Theater werden genüsslich durch den Kakao gezogen) - und der Wiener Kulturstadtrat, der in dem Buch hauptsächlich "der Kasuar" genannt wird (laut Wikipedia ein "großer flugunfähiger Vogel aus der Gattung der Laufvögel" ).

Es sind allerdings keine grimmigen Attacken, die Glavinic gegen die "Literatur-Betriebler" reitet (wie man das etwa von Werner Kofler kennt), sondern kleine Bosheiten, spöttische Bemerkungen, die zumindest für alle, die in dem Buch nicht vorkommen, die Szene aber kennen, höchst amüsant zu lesen sind - und eine kathartische Funktion haben können, weil sich da einer jene Frechheiten leistet, die man sich selbst gerne verkneift.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2007-08-31 12:58:13
Letzte Änderung am 2007-09-01 13:17:00


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