• vom 14.02.2011, 17:03 Uhr

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Unzicker, Alexander: Vom Urknall zum Durchknall




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  • Urknall und Durchknall



(kho) "Vom Urknall zum Durchknall" als Standardwerk zeitgenössischer Unphysik zu bezeichnen, wäre übertrieben. Dennoch wird es sich seinen Platz im Kanon wissenschaftshistorisch wichtiger Werke sichern. Markiert es doch den erkenntnistheoretischen Zustand völliger Hilflosigkeit beim Finden einer alles erklärenden Formel, deren zwanghafte Formulierungsversuche oft seltsame, fast lachhafte Auswüchse zutage fördern. Kommt es dabei zu Widersprüchen in der Forschung, so ist nicht die Theorie schuld; es ist die Natur, die sich nicht fügen will.


Und so knallt Unzicker im Gewande großer Satire, physikalischer Arroganz schonungslos ihr zur Lächerlichkeit verkommenes Selbstbildnis vor den Latz. Gelingt es doch einer mit Geld und Genialität reichlich ausgestatteten Armee von Wissenschaftern nicht, die letzten Rätsel der Menschheit zu lösen und besagte Formel zu formulieren, deren Existenz in diesem akademischen Spiel das größte Fragezeichen darstellt. Diese Frage wird nicht gestellt, es muss sie einfach geben. Doch irrt der Mensch nicht, solange er strebt? Es scheint so, denn der überragenden Genialität entspringt hauptsächlich geniale Unkenntnis. Statt dem Verständnis über die Natur entsteht ein Wettkampf um die irrsten Theorien. Dabei gilt: Die Wahrscheinlichkeit von Ruhm und wissenschaftlicher Anerkennung steigt umgekehrt proportional zur Verständlichkeit einer Theorie. So entsteht viel Lärm um nichts von vielen Köchen. Statt einer ausgereiften Gourmet-Kreation servieren diese schwer verdaulichen Brei. Unzickers entsprechend ernüchterndes Fazit: Vermutlich hilft der Menschheit aus dieser Sackgasse erst ein Zweistein.

Alexander Unzicker: Vom Urknall zum Durchknall. Springer, 332 Seiten, 24,95 Euro.




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Dokument erstellt am 2011-02-14 17:03:36
Letzte Änderung am 2011-02-14 17:03:00



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