• vom 13.08.1999, 00:00 Uhr

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Update: 01.03.2005, 11:22 Uhr

Literarisches Buch

Steinfest: Cheng




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Von Rudolf Kraus

  • Bitterböse Wien-Satire: "Cheng" von Heinrich Steinfest

In seinem nunmehr dritten Wien Roman benützt der Wiener Autor und Maler Heinrich Steinfest, der vor kurzem den Würth-Literatur-Preis der Tübinger Poetik-Dozentur für eine Kriminalkurzgeschichte erhalten hat, abermals das Sujet des Kriminalromans, um einer

spitzen, skurrilen Satire den nötigen Nachdruck zu verleihen.


Markus Cheng, Privatdetektiv und Wiener Chinese, der jedoch kein Wort Chinesisch spricht, wird mit einem Fall betraut, der ihn in höchste Kreise der Wiener Gesellschaft führt, wo es bei weitem nicht

so fein zugeht, wie man glauben sollte. Chengs Klient wird ermordet und auch er selbst trägt Spuren davon, die ihn mit einer für einen Privatdetektiv nicht vorteilhaften Behinderung ausstatten. Er

kommt einer gar nicht unüblichen Machenschaft von Prominenten und Politikern auf die Spur, die mit Toxinen für militärische Zwecke zu tun hat. Eine Dame mit sportlichen Fähigkeiten setzt aber dem

Leben einiger in diesen Deal verwickelter Herren ein jähes Ende und verweist in kryptischer Form immer wieder auf den Namen "St. Kilda".

"Cheng" ist ein bitterböser Kriminalroman, der beträchtliche Portionen von Komik und Satire enthält. Seien es österreichische Machtstrukturen oder die Befindlichkeiten der Wiener Kulturgesellschaft,

nichts ist vor Steinfests scharfzüngiger Feder sicher. Je tiefer man in den Fortgang der kriminalistischen Handlung vordringt, desto deutlicher werden die Konturen eines aus dem Hintergrund

hervortretenden Bildes einer doppelmoralischen Gesellschaft, die nur der exzellenten Pinselführung eines dem Realismus verpflichteten Künstlers entstammen können.

Ein prominenter Wiener Journalist fühlte sich von dem Roman derart bösartig karikiert, dass er dem Autor mittlerweile eine Klage angedroht und dem Verlag die Einziehung des Buches anempfohlen hat.

Die Causa ist im Laufen.
Steinfest, Heinrich : Cheng. Rabenschwarzer Roman um einen Wiener Chinesen. Bastei-Lübbe 1999. 268 Seiten.




Schlagwörter

Literarisches Buch, Bücher

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 1999-08-13 00:00:00
Letzte nderung am 2005-03-01 11:22:00


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